Startseite

Corona-Tagebuch 22

4. April 2020

Extra früh los heute, zum Bäcker. In der Zionskirchstraße blühen die japanischen Zierkirschen und vom blauen Himmel strahlt die Sonne. Das macht das lange Warten in der Schlange am Bäcker erträglich. Durch die zwei Meter Abstand zwischen den einzelnen Wartenden zieht sich diese jetzt bis zur Ecke an der Choriner Straße. Ein Hipster weiter hinten rastet aus, weil jemand die Kirschbäume fotografiert. Es kommt zu einem Handgemenge und elendigem Gebrüll. Die Krise macht uns mürbe. Oder sind Drogen im Spiel? Nach der Ausgangssperre für über 65-jährige hat die Türkei nun eine Ausgangssperre für unter 20-jährige verhängt. Gerechtigkeit muss sein. Die zwischen 20- und 65-jährigen wurden anscheinend vergessen. Die USA kapern mittlerweile wie Piraten medizinische Schutzausrüstung, die für andere Länder bestimmt ist, direkt von den Rollfeldern der Flughäfen weg. Gut, sagen wir nicht wie Piraten, sie zahlen ja, unanständige Preise, das drei- oder vierfache, was die Besteller-Nationen blechen wollten. Kapitalismus eben. Soll sich bitte niemand aufregen. IWF-Chefin Georgiewa spricht von der „dunkelsten Stunde der Menschheit“, meint aber nicht jene Methoden, hallo (?), sie ist vom ‚Internationalen-Währungs-Fond‘, sondern die Corona-Pandemie allgemein. ‚Dunkelste Stunde der Menschheit‘? Können wir Deutschen also endlich frohlocken? Wird man jetzt nicht mehr mit dem Finger auf uns zeigen? Hitler? Zweiter Weltkrieg? Holocaust? Nicht ganz so schlimm wie diese Pandemie? Ach, wo wir schon bei Hitler sind, Andreas Gabalier, der österreichische Volks-Rock ’n Roller, der mit der Lederhose, hat sich von der Corona-Krise zu einem nachdenklichen Lied inspirieren lassen. ‚Neuer Wind‘ heißt es und darin: „Wenn der Wind, der uns antreibt, auf einmal von ganz woanders her weht“. Hm. Heißt das, dingsda Gabalier verhält sich immer wie ein Fähnchen im Wind? Ganz schön selbstkritisch.

Tipp für heute: Taschenlampe anknipsen und Gegenwind aushalten.

Ahne | Allgemein | Keine Kommentare Zum Seitenbeginn springen

Corona-Tagebuch 21

3. April 2020

Der Bettbezug ist mittlerweile total zerrissen, den kann ich eigentlich nur noch über die Decke rüber legen. Zum Glück besitze ich Wechselwäsche. Falls mal wieder andere Zeiten kommen sollten, werde ich sie sicher auch aus dem Schrank holen. In den USA sind innerhalb eines Tages mehr als 1.000 Menschen an Corona gestorben. Trump hat seine Meinung zum Virus geändert, scheint es nicht weiter zu unterschätzen, hegt zum Beispiel keinerlei Einwände mehr gegen das Tragen von Gesichtsmasken, „Wenn die Leute sie tragen wollen, können sie das tun.“ Trotz solch unfähiger Staatenlenker versammeln sich Bürgerinnen und Bürger überall auf dem Planeten hinter ihren Regierenden. Das Krisenphänomen. Ob in Brasilien, Deutschland, den USA, Ungarn, China oder Venezuela. Ob Politiker das Virus nun verharmlosen oder Freiheiten massiv einschränken, die Bevölkerung steht hinter ihnen. Hierzulande amüsiert man sich über Trump, Boris Johnson und Bolsonaro, dem bayrischen Ministerpräsidenten Söder dagegen bescheinigt man Durchsetzungsvermögen. Dabei trägt dieser Verantwortung dafür, dass am Tage bevor in Bayern der Katastrophenfall ausgerufen wurde, noch eine landesweite Kommunalwahl stattfinden konnte. Musste? Damit die hohen Zustimmungswerte für die Regierungspartei CSU mitgenommen werden konnten? Bayern hat mittlerweile die höchsten Infiziertenzahlen in Deutschland, sowohl absolut, wie auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Ob da auch mal recherchiert wird, wie wegen der Karnevalsfeiern? Während eines Spaziergangs mit meiner Tochter pflückten wir gestern im Park ein blühendes Veilchen und erschraken fürchterlich, da wir es beide nicht riechen konnten. Hatten sie nicht geschrieben, Geschmacks- und Geruchsverlust sei ein sicheres Indiz für Corona? Daheim dann Entwarnung. Es gibt wohl verschiedene Veilchen-Arten. Die wenigsten von ihnen riechen aromatisch. In Peru dürfen Frauen und Männer jetzt nur noch an bestimmten Tagen und nach Geschlecht getrennt voneinander die Wohnung verlassen. Montags, mittwochs und freitags die Männer, dienstags, donnerstags und sonnabends die Frauen. Sonntag bleibt übrig. Da darf gar keiner raus. Na toll!

Heute: Weltweites Internetz, Livestream aus dem Comedyclub Kookaburra, 19 Uhr: Ahne liest, singt und trinkt (Corona -Spezial Plus!) neue Texte, alte Schlager, Bier

Ahne | Allgemein | Keine Kommentare Zum Seitenbeginn springen

Corona-Tagebuch 20

2. April 2020

Bundespräsident Steinmeier hat den deutschen Mitbürgerinnen und Mitbürgern mitgeteilt, es sei denkbar wegen Corona das Essen im Lieblingsrestaurant zum Mitnehmen zu bestellen oder gekaufte Eintrittskarten für Veranstaltungen nicht zurück zu fordern. Hinzufügen möchte ich, dass es auch denkbar sei, Abstand zueinander zu halten, sich gründlich die Hände zu waschen und eventuell darauf zu verzichten seinen Nachbarn abzuschlachten. Letzteres zumindest wäre sogar in Nach-Corona-Zeiten denkbar. Andorra will seine gesamte Bevölkerung testen lassen, in den USA dürfen sämtliche Häftlinge für 14 Tage ihre Zellen nicht verlassen und die Zahl der Toten in Spanien steigt auf über 10.000. Es gibt allerdings auch gute Nachrichten. So lässt die Kaufhallen-Kette ALDI mit Sonderzügen 200 Tonnen Nudeln aus Italien nach Deutschland bringen. Die Versorgung sei nunmehr gesichert. Und Nonnen aus dem Allgäu haben laut Tageszeitung ‚Die Welt‘ eine Lebensmitteltafel mit Klopapier ausgestattet. Guten Appetit! Mein Livestream-Auftritt gestern in Fürstenwalde verlief anstrengender als gedacht. Schon was Anderes, als wenn man in der Gruppe so was macht. Alleine anderthalb Stunden vor der Kamera herum hampeln, ohne Resonanz zu bekommen, das schlaucht. Muss es mir mal abgewöhnen, nach jedem vorgelesenen Text „Danke“ zu sagen. Das wirkt doch extrem doof, wenn niemand klatscht. Im Zug zurück nach Berlin saß außer mir lediglich ein Mann noch im Waggon. Plötzlich roch es nach Eierpups. Wir drehten uns beide gleichzeitig um und schauten uns an. Ich war es jedenfalls nicht!

Tipp für heute: Den Schließmuskel trainieren.

Ahne | Allgemein | 2 Kommentare Zum Seitenbeginn springen

Corona-Tagebuch 19

1. April 2020

Ich versuche es jetzt einfach mal. Ja, ich kann die Finger nicht von lassen. Also: Covid-19 ist keine Pandemie. Ha, ha, ha! Reingefallen! April, April! Ein Aprilscherz! Über Corona! Obwohl das Bundesgesundheitsministerium davor gewarnt hat. Obwohl in Südostasien mehrere Länder angekündigt haben, Menschen, die Aprilscherze über Corona machen, streng zu bestrafen. In Thailand kann man deshalb bis zu 5 Monate hinter Gitter wandern. Oder 5 Jahre? Vergessen. Hui, das Internetz ist ja weltweit empfangbar, hab ich gehört. Ob sich die thailändischen Behörden die Mühe machen und meinen Aprilscherz übersetzen? Müsste ich aber erst mal nach Thailand kommen, damit sie mich dort verhaften, ist ja momentan nicht so leicht. Danke, Corona! In Turkmenistan darf man nicht nur keine Aprilscherze über Corona machen, nein, man darf nicht mal mehr das Wort Coronavirus erwähnen. Auch nicht in privaten Gesprächen. Denn, merke, wenn man eine Krankheit nicht ausspricht, ist sie auch nicht da und man braucht keine teuren Beatmungsgeräte und Leichenhallen. In Belgrad haben gestern zehntausende Hundehalter gegen die strenge Ausgangssperre in Serbien protestiert, wo man zwischen 17 Uhr nachmittags und 5 Uhr morgens gar nicht mehr raus gehen darf. Sie fordern pro Abend mindestens eine halbe Stunde Gassigehzeit mit ihrem Hund. Ich werde heute Abend meine Wohnung verlassen, auch ohne Hund. Ich muss arbeiten, in Fürstenwalde. Und ihr könnt mir dabei zugucken, selbst wenn ihr zuhause bleibt. Geht nicht? Geht doch. Ach, schöne Schlagzeile noch, gelesen auf tagesschau.de: „China verspricht mehr Zahlen“. Was denn für welche? Ganz neue? Noch mehr, als wir sowieso schon haben? Also, mir persönlich reichen ja eigentlich die von 1 bis 100.

Heute: Aus dem Parkclub Fürstenwalde für euch am Endgerät, 20:15 Uhr: Ahne liest, singt und trinkt (Best off + Corona-Special) 90 Minuten und Pause per Livestream

Ahne | Allgemein | 2 Kommentare Zum Seitenbeginn springen

Corona-Tagebuch 18

31. März 2020

Durst. Entsetzlicher Durst. Trinke etwas. Danach ist es besser. Gestern hat es geschneit, meiner Meinung nach das erste Mal in diesem Winter in Berlin, wobei es ja gar kein Winter mehr ist, sondern Frühling. Der Schnee ist nicht liegen geblieben. Trotzdem schön. Jena führt als erste deutsche Großstadt ab nächster Woche eine Mundschutzpflicht in Verkaufsstellen, dem ÖPNV und Gebäuden mit Publikumsverkehr ein. Sie hätten Reserven angelegt. Die also haben alles weg gekauft! Ausgerechnet in jener Zeit, in der wir sie so dringend nötig hätten, wurde nun die ‚Lindenstraße‘ abgesetzt. Sonntag lief die letzte Folge der wertvollsten und erfolgreichsten Serie, die es je im deutschen Fernsehen gegeben hat. Sie endete mit einem großen Empfang zum 80. Geburtstag von Mutter Beimer. Weiter weg von der Realität lag sie wohl selten. Wer wird uns nun auf unterhaltende Art die gesellschaftliche Entwicklung spiegeln? ‚Verbotene Liebe‘? ‚Die Sportschau‘? ‚Das Dschungelcamp‘? Auch das Robert-Koch-Institut empfiehlt plötzlich das Tragen von Mundschutz in der Öffentlichkeit, nachdem man es wochenlang den Leuten regelrecht ausredete. Ja, selbst Wissenschaftler können sich irren und besser spät sich korrigieren als beleidigt auf seiner einst geäußerten Meinung zu beharren. Kanada möchte den Ureinwohnern der nordwestlichen Territorien mit umgerechnet 1,6 Millionen Euro dabei helfen sich in der arktischen Wildnis zu verteilen, damit sie nicht in großen Familienverbänden weiter eng gedrängt zusammen leben müssen. Norman Yakeleya, Häuptling der Dene: „Unsere Ältesten und Weisesten haben immer gesagt, es wird ein Tag kommen, an dem wir auf das Land gehen müssen. Und jetzt ist dieser Tag.“ In der Provinz Hubei kehrt China langsam wieder zur Normalität zurück. Deutschlands Regierungssprecher Seibert will mit dem Satz Mut machen: „Es wird auch eine Zeit nach Corona geben.“ Bei mir gibt ’s Kartoffel-Kürbis-Auflauf zum Mittag.

Tipp für heute: In die Zukunft reisen.

Ahne | Allgemein | 2 Kommentare Zum Seitenbeginn springen

Corona-Tagebuch 17

30. März 2020

Das erste Mal seit zwei Wochen tagsüber draußen gewesen. Für die Livestream-Reformbühne in den Wedding gefahren. Leichtes Unwohlsein, als ich den U-Bahnhof Rosenthaler Platz hinunter stiefele. Hatte mir einen Schal vor Mund und Nase gebunden. Schützt vielleicht 1%, aber immer noch besser als nichts, dachte ich. Die wenigen Fahrgäste, die sich außer mir in der Bahn befinden, gucken belustigt. An der Seestraße Zeuge eines Polizeieinsatzes geworden. Drei „südländisch“ aussehende Jugendliche rotteten sich wohl illegalerweise auf dem Bürgersteig zusammen. Im Echsen-Studio wasche ich mir gründlich die Hände, singe zwei mal hintereinander ‚Happy Birthday‘, wie es sich gehört. Wir benutzen für die Mikrophone jeder einen eigenen Ploppschutz und halten Sicherheitsabstand zueinander. Es ist ungewohnt live vorzulesen ohne Publikum. Kann den Texten der anderen nicht wirklich folgen. Bin die ganze Zeit abgelenkt, weil man auf dem Bildschirm sehen kann, wie die Facebook-Zuschauer Herzchen und Smileys verteilen. Und dann ist da noch die Zahl, wie viele zugucken. Die verändert sich ständig. Spannend. Trump ist stolz auf die Quoten seiner täglichen Presse-Briefings zur Corona-Pandemie. Die seien vergleichbar mit jenen von Football-Übertragungen oder der Show ‚The Bachelor‘. Im Letzten gab er bekannt, wenn es gelänge durch die getroffenen Eindämmungsmaßnahmen die Todeszahlen in den USA auf 100.000 zu begrenzen, „haben wir einen guten Job gemacht“. Vorschlag für ’s nächste Mal, lieber die Zahl 1.000.000.000 nehmen, dann ist man auf der sicheren Seite und kann sich hinterher als Held feiern lassen. Grönland verbietet Alkohol, wegen Corona. In Moskau darf man mit seinem Hund nur noch maximal 100 m Gassi gehen. Und ich hab mich rasiert.

Tipp für heute: Schnell noch eine Flasche Bier kaufen.

 

Ahne | Allgemein | Keine Kommentare Zum Seitenbeginn springen

Corona-Tagebuch 16

29. März 2020

Trump will New York jetzt doch nicht abriegeln, so wie China damals seine Provinz Hubei, er spricht lediglich Reiseempfehlungen aus. Die müssten dann wahrscheinlich eher Nichtreiseempfehlungen heißen, oder? Man, bin ich ein Korinthenkacker. Die NRA klagt in Kalifornien gegen die Schließung von Waffengeschäften im Zuge der Corona-Pandemie. Begründung: Bei Waffengeschäften handele es sich um lebenswichtige Läden, die auch in Zeiten der Krise geöffnet bleiben müssten. Genau. Sämtliche Menschen, die durch handelsübliche Knarren umgelegt werden, könnten schließlich nicht am Corona-Virus zugrunde gehen. Liegt doch auf der Hand. In Rumänien bekommen die Bürger, zum Dank dafür, dass sie sich weitestgehend an die Ausgangssperre halten, jetzt zwei mal pro Tag ihre Nationalhymne zu hören, aus den Lautsprechern der Polizeiautos. 17 Uhr und 21 Uhr. Da sage noch einer es lohne sich nicht, gesetzestreu zu sein. In Belgien wurde der erste Fall bekannt, wo sich eine Katze angesteckt hat. Vorübergehend litt sie an Atem- und Verdauungsproblemen. Zwei Hunde hatte es vorher in Hongkong bereits erwischt, die zeigten allerdings keinerlei Symptome. In Deutschland sind sie nach wie vor stolz auf die Menge der vorgenommenen Tests. Dachte ich gestern, na, rufe ich doch mal an und versuche mich testen zu lassen. Kein Durchkommen. Auf der zuständigen Berliner Internet-Seite las ich, nur Personen mit typischen Symptomen würden derzeit getestet, wozu Fieber und trockener Husten gehören. Man benötige einen telefonisch vereinbarten Termin für ein kurzes Gespräch mit einem Arzt, welcher dann entscheide, ob getestet werde. Aha. Die 80%, die laut Virologen keine oder nur geringe Symptome zeigten, werden zumindest in Berlin also nicht getestet. Weil? Die nicht so doll ansteckend sind? Ich werde heute Abend jedenfalls meine selbst gewählte Isolation brechen, nach 14 Tagen. Ob ich das Virus nun hatte? Ob ich immun bin? Die Antwort weiß wahrscheinlich nicht einmal der Wind.

Heute: Weltweites Internetz, Facebook-Kanal der Reformbühne Heim & Welt, 20 Uhr: Quarantänebühne Heim & Welt mit Heiko Werning, Dr. Jakob Hein, Falko Hennig, Gott und mich, einer Videobotschaft von Jürgen Witte, sowie Supergaststar Frank ‚The Technic-Hero‘ Sorge

Ahne | Allgemein | Keine Kommentare Zum Seitenbeginn springen

Corona-Tagebuch 15

28. März 2020

Aus Mangel an Phantasie gucke ich nach meiner täglichen Schreibarbeit die Mediathek der öffentlich-rechtlichen Sender leer. Gestern hatte ich mir vorgenommen auch dem Fach ‚Komödie‘ im ZDF mal eine Chance zu geben. Komödien sollen ja, uralter Überlieferung nach, zum Lachen animieren, oder, wie es mittlerweile heißt, zum Schmunzeln anregen. Nun, wenn man es unter diesem Blickwinkel betrachtet, war die Komödie ‚Idiotentest‘ ein Schuss in den Ofen. Lachen musste ich nie, schmunzeln ebenso wenig. Allerdings brachte sie mich an den Rand des Weinens und das ist ja auch schon mal was. Drei Frauen werden hier beobachtet, wie sie, während eines Vorbereitungskurses auf einen MPU-Test, sich anfreunden und gegenseitig ihre katastrophalen Beziehungs- und Lebenssituationen gestehen. Die Eine hat jemanden tot gefahren und ist Alkoholikerin, die Andere wird sexuell betrogen und finanziell hintergangen, die Dritte leidet unter ihrem Dasein als braves Büro-Mäuschen, deren Mann das Parade-Beispiel eines arschkriechenden Spießers abgibt. Zum Schluss sind sämtliche Probleme gelöst und man fährt gemeinsam nach Frankreich. Das Dazwischen ähnelt einem Schwank. Zufälle passieren, es wird in Bars rum gesessen, in Autos rum gefahren, Schmuck und Kleider werden getragen und natürlich Frisuren, Frauen eben. Die Männer sind doof, also bis auf einen. Oder zwei. Tränen kamen mir fast, weil ich dachte, wie viele solcher Komödien es im Fernsehen bereits gibt. Seit Jahrzehnten. Und trotzdem kommen immer wieder neue hinzu. Da werden die Leute also nicht einfach gefeuert, wenn sie solche Scheiße abliefern, nein, man hält an ihnen fest. Schön. Rührend irgendwie. Um gerecht zu sein, lachen konnte ich trotzdem, über Hazel Brugger und Fabian Köster zum Beispiel, die innerhalb der immer dröger werdenden ZDF-Sendung ‚heute-show‘ ein durchaus witziges Video-Interview mit dem SPD-Politiker und Epidemologen Karl Lauterbach führten. Ja, ein SPD-Politiker beweist hier Humor. Ansonsten wenig Anlass zur Freude. Fast überall steigende Infizierten- und Todeszahlen. Und:  die Sonne scheint.

Tipp für heute: Den seidenen Faden auf welchem man balanciert zur Reinigung der Zahnzwischenräume benutzen.

Ahne | Allgemein | Keine Kommentare Zum Seitenbeginn springen

Corona-Tagebuch 14

27. März 2020

Nach gründlicher Recherche musste ich feststellen, nein, heute ist noch nicht mein letzter Tag der selbst auferlegten Quarantäne. Leider habe ich Tagebuch geschrieben und da kann man das nachlesen. Erst Sonntag begann ich mich einzuigeln. Scheiß deutsche Gründlichkeit! Die Bude stinkt. Ich kann es nicht riechen aber ich weiß es. Es ist einfach so, wenn alte Männer nicht vor die Tür gehen, da kann man lüften so viel man will. Selber stört es einen ja nicht weiter, man hat sich an den eigenen Muff gewöhnt. Man darf eben bloß niemanden mehr hinein lassen. Tue ich auch nicht. Beobachte durch `s Schlüsselloch, was draußen im Hausflur so vor sich geht. Die Nachbarin hat den Biomüll vor die Tür gestellt, so so. Werde ich wohl melden müssen. Wo kommen wir sonst hin? Adidas zahlt jetzt keine Ladenmiete mehr, für die wegen Corona-Pandemie geschlossenen Geschäfte. Dass ich das noch erleben darf. Ausgerechnet ein Großkonzern setzt sich an die Spitze der Mietrebellen-Bewegung. Mieten-Boykott! Weltweit! Hurra! Oder handelt es sich lediglich um eine besonders perfide Marketing-Strategie? In Berlin ist jetzt auch längeres Sitzen auf einer Stelle verboten, also im Park beispielsweise. Auf einer Decke darf man auch nicht mehr sitzen. Zuhause jedoch gelten diese Verbote nicht. Zuhause darf man nach wie vor auf einer Stelle sitzen so lange man will, selbst auf einer Decke. Probiere ich nachher gleich mal aus. Til Schweiger ist laut Nachrichtenportal (hihi!) web.de wütend darüber, dass Menschen ganz eng an ihm vorbei gehen, wenn er mal nicht ausweicht. Das verkündete er in einer Videobotschaft. Andere c-prominente Schwachköpfe fanden diese Videobotschaft prima. Aus Reihen der CDU dagegen heißt es, Flüchtlinge sollten jetzt als Erntehelfer eingesetzt werden. Eben! Wenn man die in überbelegten Flüchtlingsunterkünften sowieso nicht gegen das Virus schützen kann, können sie doch wenigstens was Vernünftiges tun. Deutschen Spargel stechen und danach schieben wir sie ab. Afrika scheint momentan zumindest wesentlich sicherer zu sein als Deutschland. Obwohl. Nicht ganz. Es gibt hier eine Stadt, in der offiziell noch kein einziger Infizierter bestätigt wurde. Kaufbeuren in Bayern. Ob sie da bereits begonnen haben eine Mauer zu bauen?

Tipp für heute: Mal unauffällig nach einer Buddelschippe kramen.

Ahne | Allgemein | Keine Kommentare Zum Seitenbeginn springen

Corona-Tagebuch 13

26. März 2020

Der dreizehnte Tag in selbst gewählter Isolation. Mir wächst ein Vollbart, nicht weil ich es will, ich kann mich bloß nicht überwinden den Rasierer zu benutzen. Wofür? Sieht ja ohnehin keiner. Jair Bolsonaro, der Präsident Brasiliens, sagt: „Bald ist es besiegt“ und meint damit das Corona-Virus. Währenddessen wird in New York City ein großes Zelt als provisorische Leichenhalle errichtet und in Madrid eine Eislaufbahn in eine solche umfunktioniert. Im Osten Frankreichs gibt es Gebiete, wo die oft selbst infizierten Ärzte bei älteren Corona-Patienten nur noch Sterbebegleitung machen, da die Kapazität der Beatmungsgeräte nicht ausreicht. Die öffentlich-rechtlichen Kanäle in Deutschland versuchen die grausamen Nachrichten der Pandemie möglichst auszublenden, stellen Hilfsprogramme der Bundesregierung in den Vordergrund, widmen sich den ‚Helden des Alltags‘. Vielleicht ist das ja richtig, vielleicht benötigen das Menschen, um Hoffnung zu tanken, um Zuversicht zu bekommen, mich stößt es ab. Als Statistik-Fan interessieren mich nüchterne Zahlen und da ist es schon auffällig, dass, je mehr diese steigen, desto seltener bekommt man sie in Deutschland zu sehen. Man muss interaktiv tätig werden und selbst diese Zahlen, die einem dann präsentiert werden, sind längst überholt. Gute Nachrichten gibt es glücklicherweise auch. Viele Bundesländer lassen jetzt endlich schwer kranke Patienten aus Italien und Frankreich einfliegen um sie hier in Krankenhäusern zu behandeln. Und die Sonne scheint. Und ich muss bloß noch einen Tag in völliger Isolation aushalten. Oder zwei? Was für eine Jahreszeit haben wir eigentlich?

Tipp für heute: Mal auf den Kalender gucken.

Ahne | Allgemein | Keine Kommentare Zum Seitenbeginn springen

Kategorien