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Corona-Tagebuch 78

30. Mai 2020

Bin ganz alleine. Die Familie ist weg gefahren. Nach Thüringen. Weil man dort jetzt wieder alles darf. Selbst Fremde auf der Straße küssen. Falls man vorher fragt, natürlich nur. Und mit Mundschutz. In Berlin darf man noch gar nichts. Außer mit der Deutschland-Fahne vor dem Olympiastadion posieren (gute Symbolik für was mit Deutschland) und danach einen Auto-Korso gegen die Corona-Maßnahmen führen, wie der vegane Starkoch, Bürgerrechtler und Opfer von Polizei-Willkür Attila Hildmann (39) es gerade tut, am Sonnabendmittag. Vom Olympiastadion bis zum Bundeskanzleramt leitet er in seinem auffälligen Porsche den Konvoi dutzender PKW’s und Motorräder, die unter anderem einen Corona-Untersuchungsausschuss fordern. „Freiheit!“ 70 Demonstrationen sind heute zum Thema allein in Berlin angemeldet. Fast schon ein Pfingsttreffen, wie es früher die FDJ veranstaltete. Hat aber damit nichts zu tun, es ist ja gegen die Regierung gerichtet, die Regierung hier, in Berlin, und selbstverständlich auch gegen die Weltregierung, ist die eigentlich schon im Amt? In Berlin sind ab 2. Juni Open-Air-Veranstaltungen bis 200 Besucher wieder möglich, ab 16. Juni bis 500, ab 30. Juni bis 1.000. In geschlossenen Räumen dürfen von Dienstag an bestimmte (was sind bestimmte?) Veranstaltungen bis 150 und ab 30. Juni bis 300 Teilnehmer stattfinden. Ab 2. Juni dürfen auch Kneipen wieder aufmachen, Gäste müssen allerdings an Tischen bedient werden. Dänemark und Griechenland öffnen ab 15. Juni ihre Grenzen für Touristen. In Schleswig/Holstein sollen ab 8. Juni alle Grundschüler wieder eine tägliche Beschulung erhalten. In Nordrhein/Westfalen dürfen Kinos, Theater, Opern- und Konzerthäuser wieder öffnen, auch Busreisen sind unter den Bedingungen des Infektionsschutzes wieder gestattet. Flixbus nimmt den Betrieb wieder auf, Busse dürfen voll besetzt werden, Maskenpflicht gilt. Disneyworld strebt die Wiedereröffnung seiner Vergnügungsparks in Florida ab 11. Juli an. Höchster Anstieg von Neuinfektionen im Irak, 416 Fälle am Tag. Südkorea schränkt nach erneutem Anstieg von Neuinfektionen den Schulbetrieb wieder ein, Museen, Parks und Theater werden in Seoul geschlossen. Chile verteilt wegen katastrophaler Zustände infolge der Corona-Krise zehntausende Lebensmittelpakete an die Bevölkerung. Donald Trump verkündet das Ende der Zusammenarbeit der USA mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), weil diese eine „Marionette“ Chinas sei. Sämtliche bisher zur Verfügung gestellten Finanzmittel würden künftig für andere globale Gesundheitsprojekte zur Verfügung gestellt, Projekte die dies verdienten, sagte der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Welche es wohl sein mögen? Die „Super-Duper-Rakete“ vielleicht?

Tipp für heute: „Die freie deutsche Jugend stürmt Berlin“, ein Lied zum Pfingsttreffen, in der Version von ‚Einsatz‘ mal wieder hören.

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Corona-Tagebuch 77

29. Mai 2020

Bin fleißig am Malen von „Amabie“, viel mehr von Amabies. Sie sehen alle sehr unterschiedlich aus, was mit meinen Malfähigkeiten zu tun haben mag. Vielleicht schaffe ich es ja noch, meine Tochter zu animieren, auch eine „Amabie“ zu malen. Die kann das nämlich richtig gut. Die ist besser als Picasso. Behaupte ich, der ich von Malerei lediglich weiß, dass sich Picasso mal ein Ohr abschnitt. Je mehr Amabies wir zu Papier bringen, je öfter wir sie Menschen zeigen, desto schneller ist die Pandemie auch Geschichte. Japanische Mythen stimmen immer! Am Sonntag werde ich meine Versuche im Livestream der Reformbühne präsentieren. Danach dürften die Infektionszahlen in Berlin verdampfen, wie Tropfen auf heißen Steinen. In Südafrika wird das Alkoholverbot zum Teil aufgehoben. Man darf jetzt vier Tage in der Woche alkoholische Getränke erwerben, nicht freitags und auch nicht an den Wochenenden und der Konsum ist nur zuhause erlaubt. Auch in der Düsseldorfer Altstadt wurde es wieder erlaubt zu saufen. Das dortige Verwaltungsgericht hat das Alkoholverbot gekippt. Es sei nicht geeignet um Corona-Infektionen einzudämmen, hieß es. Der Bierabsatz ging während der Corona-Krise in Deutschland stark zurück. Er sank im April im Vergleich zum März um 17,3%. Regional allerdings gibt es gewaltige Unterschiede. Während er in Hamburg und Schleswig/Holstein um 54,9% schrumpfte, stieg er in Thüringen sogar an, um 4,3%. Wurde da etwa heimlich im Garten gegrillt? Das Tschechische Nationalmuseum widmet der Atemschutzmaske eine eigene Ausstellung. Von Designer-Masken bis zu Versionen von Hobby-Näherinnen mit Klettverschluss, welcher zum Trinken geöffnet werden kann, ist alles dabei. Am 4. Juni sollen die Casinos in Las Vegas wieder Gäste empfangen dürfen, ab nächsten Montag bereits machen in der Türkei Cafes, Restaurants, Schwimmbäder, Sportstudios, Kindergärten, Parks, Strände und Museen auf. Auch Open-Air-Konzerte sind dann wieder erlaubt, allerdings nur bis Mitternacht. Bestehen bleibt das Ausgehverbot für Menschen unter 18, eine Maskenpflicht, das Abstandsgebot und Bürger ab 65 dürfen nur zu bestimmten Stunden des Tages ins Freie. In Dänemark haben sich die Infektionszahlen nach der schrittweisen Öffnung der Schulen am 15. April nicht erhöht, berichtet die Agentur Reuters, dem schloss sich das finnische Institut für Gesundheit und Soziales für Finnland an, wo die Schüler seit dem 14. Mai wieder in den Unterricht dürfen. In Rumänien können die Menschen innerhalb des Landes jetzt wieder reisen, Polen erlaubt ab 19. Juni Zuschauer in Fußballstadien, Putin sieht den Höhepunkt der Corona-Pandemie in Russland überschritten, die Militärparade zum Sieg im Großen Vaterländischen Krieg kann damit am 24. Juni stattfinden. 26.417 Neuinfektionen in Brasilien, über 4.000 Covid-19-Tote mittlerweile in Peru, über 9.000 in Mexiko. Im indischen Teil von Kashmir wurde ein Pferd unter Quarantäne gestellt, nachdem der 21-jährige Reiter zuvor mit einem Corona-Infizierten in Kontakt gekommen war. Falls es irgendwo auf der Wiese stehen darf, wird es darüber nicht allzu traurig sein, denke ich.

Tipp für heute: Pferde sind auch ohne Reiter ganz schön anzusehen.

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Corona-Tagebuch 76

28. Mai 2020

Müde. Dies konnte verhindern, dass ich früh gleich los bin, um mir ein paar Paletten Damenbinden und Baby-Windeln zu sichern. Was ich damit will? Tauschware, falls demnächst das Bier knapp wird. 2020 ist der Mai längst nicht so warm wie in den vergangenen Jahren. Vielleicht ja eine Blitzheilung des Klimawandels, durch das coronabedingte, weltweite Herunterfahren der Wirtschaft? Ich weiß, ich weiß, Wetter ist nicht gleich Klima. Man wird doch wohl noch träumen dürfen. Jetzt läuft alles wieder richtig an. Der Verkehr auf den Straßen ist schon fast genau so dick, wie vor Corona. Bestimmt erholt sich das Wetter bald wieder. Puh! Laut einer Studie des Forschungsverbundes „Kindheit-Jugend-Familie in der Corona-Zeit“, der aus dem Hildesheimer Institut für Sozial- und Organisationspädagogik und dem Frankfurter Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung in Kooperation mit der Universität Bielefeld besteht, sind Kinder in Zeiten der Corona-Einschränkungen zufriedener als Erwachsene. Da kann ich nur sagen: „Arschlöcher, alles Arschlöcher!“ In Deutschland sollen die Kontaktbeschränkungen bis 29. Juni in Kraft bleiben. In der Schweiz dürfen ab Sonnabend wieder bis zu 30 Personen zusammen kommen. Auch sollen Veranstaltungen bis 300 Teilnehmer gestattet sein, Zoos, Bergbahnen, Campingplätze, Schwimmbäder, Theater und Kinos öffnen und in Restaurants dürfen ab 6. Juni mehr als 4 Personen an einem Tisch sitzen. Großveranstaltungen über 300 Teilnehmer bleiben weiterhin verboten, vorerst bis Ende August. Serbien erlaubt ab 1. Juni Fußballspiele und andere sportliche Wettkämpfe im Freien mit Zuschauern. Zwischen denen muss ein Sicherheitsabstand von einem Meter eingehalten werden. Ungarn erlaubt dies ab Donnerstag ebenfalls, mit 1,5 m Abstand allerdings. Polen schafft das verpflichtende Tragen einer Gesichtsmaske in der Öffentlichkeit ab. Lockerungen auch in Moskau. Dort dürfen Einwohner künftig dreimal die Woche spazieren gehen, auch Sport im Freien ist wieder erlaubt, allerdings nur von 5 bis 9 Uhr. Morgens! Und man muss Maske tragen, auch beim Sport. Über 4.000 Covid-19-Tote in Russland, über 25.000 in Brasilien, über 100.000 in den USA. Da jedoch sinken die Neuinfektionen und Todesfälle pro Tag, während die Sprecherin des armenischen Gesundheitsministeriums Alina Nikoghossian der Nachrichtenagentur AFP gegenüber erklärte: „Wenn die gegenwärtige Situation anhält, werden die Intensivbehandlungen in den kommenden Tagen nur für Patienten mit den besten Überlebenschancen zur Verfügung stehen.“ Vielleicht sollten es die Armenierinnen und Armenier den Japanerinnen und Japanern gleich tun, welche derzeit hunderttausendfach das Fabelwesen „Amabie“ abbilden, das der Legende nach 1846 im heutigen Kumamoto dem Meer entstieg und einem Beamten mitteilte, falls eine Epidemie ausbreche, solle ein Bild von ihr gemalt und den Menschen gezeigt werden. Selbst das Gesundheitsministerium Japans verwendet auf seiner Webseite Bilder von „Amabie“ mit dem Aufruf: „Stop! COVID-19“. Kann kaum schaden. Womöglich aber sollte man sich nicht nur darauf verlassen.

Tipp für heute: Amabie sieht putzig aus.

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Corona-Tagebuch 75

27. Mai 2020

Erwache ich früh, habe ich manchmal seltsame Gedanken. Heute zum Beispiel dachte ich über das schöne Wort ’spazieren‘ nach, besser über das Wort ‚Spaziergang‘. Und da fiel mir auf, nimmt man dieses auseinander, erhält man Spa (belgischer Kurort), zier (von zieren oder Zierde) und Gang (Gang). Ob es wohl in Spa einen Gang gibt, der schön verziert ist? Oder sind in Spa einst Menschen durch einen Gang gelaufen um diesen mit ihrer Anwesenheit zu zieren? Schön zurecht gemacht, eventuell? Dann würde das deutsche Verb zu ‚Spaziergang‘, ’spazieren‘, heute in anderem Sinne verwandt, als ursprünglich gedacht, denn eigentlich müsste man ja nach Spa reisen, um jenes zu zieren. Nun, andere Sorgen scheine ich nicht zu haben. Am 13. Juni geht es auch für mich wieder richtig los. Vielleicht sogar schon am 4.? Da ist zur Zeit noch ein Livestream im HDJK-Köpenick geplant, am 13. Juni jedoch darf ich in Werneuchen in der ‚Alten Schmiede‘ auftreten, im Garten, vor Publikum! Irre. Was ziehe ich nur an? Keine Ahnung, ob es noch Karten gibt, ursprünglich war das ja ausverkauft gewesen, aber ob das in Corona-Zeiten Bestand hat? Vielleicht ist der Garten ja riesengroß. Hundertausend Quadratmeilen? Das Woodstock Brandenburgs? Bayerns Innenminister Herrmann hat Thüringen wegen seiner geplanten Aufhebung der landesweiten und Ersatz durch lokale Corona-Auflagen mit Gegenmaßnahmen gedroht: „Wir werden sicher nicht tatenlos zusehen, wie Ramelow große Erfolge im Kampf gegen das hochgefährliche Coronavirus sorglos zunichte macht.“ Worin die angedrohten Gegenmaßnahmen bestehen könnten, sagte Herrmann allerdings nicht. Einen Tag später gab Bayern bekannt, dass ab 15. Juni Theater und Kinos in Bayern eröffnen würden und auch andere kulturelle Veranstaltungen wieder möglich seien. Meinte er dies mit Gegenmaßnahmen? Hamburg macht Fitnessstudios, Freibäder und Kinos am 2. Juni auf. Tschechien öffnet alle Grenzübergänge zu Deutschland und Österreich. Das Einreiseverbot für Touristen bleibt allerdings bestehen. Ungarn will seinen Notstand am 20. Juni beenden. Auch in den letzten japanischen Provinzen wird dieser vollständig aufgehoben. Italien möchte 60.000 Freiwillige anheuern, um nach Ende der Ausgangssperren die Abstandsregeln zu kontrollieren. Ein Traumjob! „Darf ich sie darauf hinweisen, dass sie zu dicht beieinander stehen?“ Außerdem sollen jene Freiwilligen für Hilfsbedürftige einkaufen gehen. Timurhilfe, sozusagen. Spanien korrigiert die Zahl der Corona-Toten um 2.000 nach unten, zahlreiche Opfer seien doppelt gezählt worden. Mehr als 1.000 Covid-19-Tote mittlerweile in Polen, mehr als 4.000 in Schweden, weltweit über 350.000. Fast 5.000 Neuinfektionen werden aus Chile an einem Tag gemeldet, auch zwei Minister seien betroffen. Thailand verlängert seinen Ausnahmezustand bis Ende Juni, Argentinien die strengen Ausgangsbeschränkungen für Buenos Aires bis 7. Juni. Erschreckendes wird aus China gemeldet. Dort droht durch die massenhafte Produktion von Gesichtsmasken mittlerweile ein Engpass bei Windeln und Damenbinden zu entstehen, da für die Herstellung der gleiche Rohstoff, Zellstoff, benutzt wird. Oh, oh! Ahne bereits, was morgen in unseren Geschäften so abgeht.

Tipp für heute: Die Kaufhallen haben vielerorts noch bis 23 Uhr geöffnet!

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Corona-Tagebuch 74

26. Mai 2020

In Berlin dürfen ab 4. Juni wieder Demonstrationen ohne Begrenzung der Teilnehmerzahl stattfinden. Dann wird man ja sehen, wie groß der Zulauf für die Kritiker der Corona-Maßnahmen tatsächlich ist. Mittlerweile geht es mir ganz schön auf die Eier, für was der Spruch „Wir sind das Volk“ so alles benutzt wird. Aber gut, kann man niemandem verbieten und das ist ja auch richtig so. Was ich wirklich ärgerlich finde, wenn Leute wie Vera Lengsfeld suggerieren, sie stünden in irgendeiner Tradition der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Diese ehemalige SED-Genossin (immerhin 8 Jahre lang), nach einigen Wandlungen, unter anderem war sie im Friedenskreis Pankow, danach bei der Grünen Partei der DDR, nach der Wiedervereinigung bei Bündnis 90/Die Grünen, danach in der CDU (ließ sich mit Angela Merkel gemeinsam auf riesigen Wahlplakaten ablichten), wenn die nun mittlerweile am rechten Rand angekommen zu sein scheint, so ist das ihr persönlicher Weg. Es gibt auch ehemalige DDR-Bürgerrechtler bei den Linken, bei der SPD oder im Tierschutzverein. Trotzdem würde wohl niemand auf die Idee kommen zu behaupten, mehr Auslaufgebiete für Hunde zu fordern stünde in der Tradition der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Vera Lengsfeld war damals für die Öffnung von Grenzen und ist heute für die Schließung von Grenzen, sie forderte damals mehr Umweltschutz und bezeichnet heute Maßnahmen gegen den Klimawandel als hysterisch, sie setzte sich damals für Opfer faschistischer Gewalttäter ein und wettert heute gegen die „Antifamafia“. Sie hat ihre Meinungen wieder einmal fundamental geändert, was sie auch darf, nur steht sie damit nicht in der Tradition der DDR-Bürgerrechtsbewegung sondern höchstens in der Tradition von Menschen, die sich nicht ausreichend wahrgenommen und gewertschätzt fühlen. Die Zahl der Verkehrstoten war im März übrigens so niedrig wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. 158, trotzdem noch.

Tipp für heute: Die schlechte Laune wegbügeln indem man vielleicht … bügelt?

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Corona-Tagebuch 73

25. Mai 2020

Bei der Reformbühne gab es unterschiedliche Meinungen zum Thüringer Weg der landesweiten Abschaffung von Corona-Maßnahmen und Ersatz durch lokales Vorgehen. Während einige meiner Freunde und Kollegen dies unverantwortlich finden und eine zweite Welle befürchten, erscheint mir der Plan sinnvoll. Länder in Europa, wie Tschechien, die ähnlich vorgingen, sind bisher auch nicht von einer zweiten Welle überrollt worden. Selbst in Schweden geht die Ansteckungsrate zurück. Einleuchten will mir bloß nicht, warum auch die Maskenpflicht aufgehoben werden soll. Ich denke, so lange es noch aktive Infizierte gibt, hätte man diese Maßnahme ruhig aufrecht erhalten können. Ein winziges Kleidungsstück mehr als Infektionsschutz in geschlossenen Räumen, wer dies als Angriff auf unsere Freiheit unzumutbar findet, sollte sich bitte mit gleicher Vehemenz dafür einsetzen, dass man nackt in der Öffentlichkeit herum spazieren darf. Und, nein, ich finde es ist nicht dasselbe wie eine Burka. Eher könnte man den Mund-Nasen-Schutz mit einer Augenklappe, einem Pflaster oder einem Verband vergleichen. Sachsen will den Thüringer Weg bei gleich bleibenden Infektionszahlen ab 6. Juni ebenfalls beschreiten. Warnungen kommen hingegen von vielen Politikern aus nahezu allen Parteien. Leichte Lockerungen gibt Moskau bekannt, auf Baustellen und in Großbetrieben soll die Arbeit wieder aufgenommen werden. Griechenland öffnet seine Tavernen, Bars und Cafes. An einem Tisch dürfen allerdings höchstens 6 Personen sitzen. Kann man mit leben, denke ich. Soll ja sogar Tische geben, wo gar nicht mehr als 6 Personen ran passen. Doch, doch. Ab 1. Juni öffnen die Vatikanischen Museen wieder ihre Pforten. Die Grabeskirche in Jerusalem tat dies bereits gestern. Dort herrscht jedoch Maskenpflicht und man darf keine Steine oder andere Objekte anfassen oder küssen. Zum Knutschen in die Grabeskirche? Verboten? Macht es natürlich noch reizvoller. Über 4.000 Covid-19-Tote in Indien. Kroatien meldet erstmals seit dem 9. März keine registrierte Neuansteckung. Sinkende Todeszahlen in New York, 84 Opfer am gestrigen Tag. Italien beginnt heute 150.000 repräsentativ ausgewählte Menschen auf Antkörper zu testen. Wie lange ich dieses Tagebuch wohl fortführen werde?  Bis auch der letzte Mensch gesund ist? Bis zum Sankt Nimmerleinstag? Bis keine Meldungen mehr eintreffen, wie diese hier? Ein Airbus des Ferienfliegers ‚Eurowings‘ musste Sonnabend auf dem Weg nach Olbia/Sardinien umkehren und zu seinem Startflughafen Düsseldorf zurück fliegen, da man vergessen hatte, dass der Zielort noch bis 24. Juni für internationale Flüge gesperrt ist. Laut eines Sprechers von ‚Eurowings‘  führte das „Missverständnis“ jedoch nur zu geringen Umbuchungskosten, da lediglich 2 Personen an Bord gewesen seien.

Tipp für heute: Über den Wolken muss die Freiheit nicht unbedingt grenzenlos sein.

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Corona-Tagebuch 72

24. Mai 2020

Ich bin jetzt kein direkter Freund von Diktatoren, trotzdem, es muss ja nicht alles falsch sein, was diese grundunsympathischen Unterdrückungsmistkerle so behaupten, deshalb habe ich gestern an meine Nudelsoße einfach mal 10 Zehen Knoblauch rangehauen. Weißrusslands schnauzbärtiger Führer Lukaschenko schwört ja auf das Wundermittel gegen die „Erkältung“ Corona, und, was soll ich sagen, ich habe es nicht bereut. Denn ich bin nicht tot, nur ein wenig durstig heute, trockener Rachenraum. Außerdem ist mir dadurch endlich mal aufgefallen, das das Wort Zehen sich wahrscheinlich von der Zahl Zehn ableitet. Oder umgekehrt? Danke, Lukaschenko. Warum heißen Finger eigentlich Finger? Die könnten doch Handzehen genannt werden. Handzehen und Fußzehen. Verkehrte Welt in Thüringen. Während der „Kommunist“ Ramelow von den Linken, wie bereits erwähnt, die landesweit gültigen Corona-Schutzvorschriften ab 6. Juni abschaffen und durch lokale Maßnahmen ersetzen möchte, warnt Jenas Oberbürgermeister Nitzsche von der selbsternannten Freiheitspartei FDP vor zu viel Freiheit: „Mir scheint das ein Gang auf ’s Minenfeld.“ Bei Demonstrationen in Süddeutschland gegen die Corona-Maßnahmen kamen gestern deutlich weniger Protestierende als letzte Woche zusammen. Einige fielen sogar aus, wegen Regens. Auch in Berlin waren 30 Kundgebungen angemeldet. Am Großen Stern wollten 100 Rechtsextremisten unter schwarz-weiß-roten Bannern des Deutschen Reiches für „Heimat und Weltfrieden“ agitieren. 50 mehr als genehmigt, weshalb die Polizei die Manifestation beendete. Unter den Linden, vor der russischen Botschaft, fassten sich etwa 250 Menschen bei einem nicht angemeldeten Demonstrationszug an den Händen, tanzten zu „Looking for Freedom“ von David Hasselhoff, sangen „Imagine“ von John Lennon, „Ein bisschen Frieden“ von Nicole und „We are the world“ von USA for Africa. Hört sich richtig schön bescheuert an. Ob dieser Aufzug ironisch gemeint war oder nicht, konnte ich bisher nicht heraus bekommen. Die größte Hygiene-Demo fand in Hamburg statt, wo 750 Grundgesetzverteidiger zusammen kamen und die Polizei eine Gegendemonstration durch Wasserwerfer-Einsatz auflöste. Wesentlich größere Proteste gab es in Spanien, wo Tausende den Rücktritt von Ministerpräsident Sanchez und die Abschaffung der Corona-Maßnahmen forderten. Organisiert wurden die Auto-Corsos von der nationalistischen Vox-Partei. 10 Tage Staatstrauer gibt es ab kommenden Dienstag im größten Land auf der iberischen Halbinsel für die bisher an Covid-19 gestorbenen 28.678 Menschen. In Brasilien, welches mittlerweile mit 347.398 Infizierten hinter den USA am meisten von Corona betroffen ist, reichten mehrere Oppositionsparteien und Einzelpersonen der Zivilgesellschaft einen Antrag auf Amtsenthebung gegen den dortigen Präsidenten Bolsonaro ein, wegen ‚Verbrechen im Amt‘. Bolsonaro soll durch Untätigkeit, Verharmlosung und Leugnung des Virus, sowie Sabotage von Maßnahmen gegen Covid-19 die Ausbreitung der Pandemie gefördert und damit Menschenleben riskiert haben, berichtet die Zeitung ‚Estado de Sao Paulo‘. Zwei Gesundheitsminister traten bereits zurück, mehr als 22.000 Menschen starben am Virus. Der Antrag auf Amtsenthebung ist bereits der zweiunddreißigste in der siebzehnmonatigen Amtszeit Bolsonaros. Parlamentspräsident Rodrigo Maia hat alle bisherigen nicht zur Beratung zugelassen. Formfehler?

Heute: Weltweites Internetz, Facebook-Kanal der Reformbühne Heim & Welt, 20 Uhr: Quarantänebühne Heim & Welt aus der Waran-Werkstätten-Wedding mit: Heiko Werning, Dr. Jakob Hein, Falko Hennig, Technik-Held Frank Sorge, Gott und mich, einer Anneliese-Hülschrath-Gedächtniskolumne aus Steglitz von Jürgen Witte und unseren Superstargästen Sven van Thom (Tiere streicheln Menschen) sowie Frank Goosen (Ruhrpottlegende)

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Corona-Tagebuch 71

23. Mai 2020

Prinz Charles hat seine britischen Landsleute dazu aufgerufen, wegen der Corona-Krise den Bauern bei der Ernte zu helfen. „Das Essen entsteht nicht durch Zauberei“ belehrte der Adlige die Bürger. Was er vergaß zu erwähnen, das Geld, mit welchem man nicht nur Miete, Kleidung, Gas, Wasser oder Strom bezahlen muss, sondern auch Lebensmittel, aus denen man sein Essen zubereitet, dieses Geld wandert auch nicht durch Zauberei in die Brieftaschen der Menschen. Thüringen möchte ab 1. Juni die allgemeinen Corona-Beschränkungen aufheben und durch lokale Maßnahmen, dort wo eine Infektionsrate überschritten wurde, ersetzen. Nordrhein/Westfalen öffnet ab 8. Juni die Kindergärten für alle Kinder. China verzeichnet erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie keine einzige Neuansteckung. Italien will seine Flughäfen ab 3. Juni öffnen. Die Slowakei hebt die Maskenpflicht im Freien auf. In Frankreich ist seit gestern die Teilnahme an Gottesdiensten wieder erlaubt. Bulgarien lockert stufenweise, Diplomaten, Geschäftsleute, Ärzte, humanitäre Helfer, sowie Fernfahrer aus der EU und dem Schengen-Raum dürfen wieder ins Land, ohne in Quarantäne zu müssen, die Kindergärten machen auf. Es gilt weiterhin eine Maskenpflicht für öffentliche Gebäude, Kirchen und Verkehrsmittel. Großbritannien führt hingegen ab 8. Juni die Regel der zweiwöchigen Quarantäne für einreisende Ausländer erst ein. Spanien verlängert den Notstand bis 6. Juni. Ausländische Touristen dürfen wohl frühestens im Juli ins Land. Australien verlängert das Verbot des Anlegens von Kreuzfahrtschiffen bis 17. September. Kreuzfahrtschiffen sind auch Rundfahrten durch hoheitliche Gewässer untersagt. In Saudi-Arabien beginnt heute eine mehrtägige, strenge Ausgangssperre. Auch die Türkei hat bereits eine landesweite, weitgehende Ausgangssperre über die Bayram-Feiertage eingeführt, welche bis Dienstagnacht dauert, um jene zu diesem Fest üblichen Familienbesuche zu verhindern. Über 3.000 offiziell registrierte Corona-Tote in Ekuador. Mehr als 100.000 Infizierte meldet Afrika, allerdings ist die Todesrate bei Covid-19 dort geringer als beispielsweise in Europa, was auf einen deutlich niedrigeren Altersdurchschnitt zurück geführt wird. In Ruanda werden Roboter in Behandlungszentren bei der medizinischen Untersuchung von Menschen, für das Datensammeln und die Essensausgabe an Krankenbetten eingesetzt um das Ansteckungsrisiko des Pflegepersonals zu reduzieren. Die dreigliedrigen weißen Roboter sind etwa 1,40 m hoch, besitzen zwei Greifarme, eine Videokamera und auch einen Bedienungsmonitor. Gebaut hat sie eine auf Medizintechnik spezialisierte belgische Firma. Steckt da etwa Bill Gates dahinter? Belgien, Bill Gates? Klingt so ähnlich.

Tipp für heute: „Mein Freund ist Roboter!“

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Corona-Tagebuch 70

22. Mai 2020

Heute früh beim Bäcker stand gar keine Schlange. Ich konnte sofort rein in den Laden. Die Verkäuferin meinte, alle seien weg gefahren. Na, wenigstens nicht gestorben. Apropos, mit meiner Mutter war ich gestern auf dem Friedhof spazieren und traf dort zufällig jemanden, den ich kenne. Überrascht fragte ich: „Hey, was machst du denn hier?“, worauf er antwortete: „Na, ich besuche meinen Sohn.“ Oh man! Schämte mich sofort in Grund und Boden. Ab und zu mal nachdenken, Ahne, bevor man losplaudert, wie wäre es denn damit? Neuseeland tut dies bereits. Denkt darüber nach, zur Ankurbelung seiner wegen der Corona-Krise schwer angeschlagenen Wirtschaft, die 4-Tage-Woche einzuführen. Regierungschefin Jacinda Ardern findet die Idee gut. Ich im Prinzip auch. Braucht man nicht mehr so viele Tage sich merken. Nur welche will man streichen? Ich wäre ja für Dienstag, der hässlichste Name. Dienst. Aber vielleicht heißt der auch nur in Deutschland so? Sonnabend muss ebenfalls nicht sein. Verwechselt man schnell mit Sonntag. Und Mittwoch ist ja wohl vollkommener Quatsch, bei einer 4-Tage-Woche. Blieben Montag, Donnerstag, Freitag und Sonntag. Damit könnte ich leben. Heute öffnet übrigens der Fernsehturm, der Berliner, seit Wochen zum ersten Mal. Ich war allerdings schon oben, bereits vor Corona, 1975, ungefähr. Auch der Wiener Prater öffnet, jedoch erst am 29. Mai. Griechenland will seinen Tourismus am 1. Juli neu starten, dann gibt es auch wieder Direktflüge zu den griechischen Inseln. Unter den Ländern ohne Quarantäne-Pflicht befänden sich die baltischen Staaten, die Staaten des Balkans und Deutschland. Serbien öffnet seine Grenzen ab sofort und ohne Bedingungen. Auch in Ägypten soll der Tourismus wieder anlaufen, vorerst jedoch nur für Einheimische. In jedem Hotel muss ein Stockwerk oder ein extra Gebäude für Infizierte oder Corona-Verdachtsfälle blockiert werden. Wann Ausländern wieder erlaubt wird in der Diktatur Urlaub zu machen, wurde nicht bekannt gegeben. Lettland möchte den Notstand nach dem 9. Juni nicht mehr verlängern. Südkorea öffnet seine Schulen. Nur noch 3 Neuinfektionen gestern in Tokio. Mit 6.000 Neuinfektionen verzeichnet Indien hingegen den höchsten Anstieg seit Beginn der Pandemie. Mehr als 20.000 Covid-19-Tote in Brasilien. Weißrussland, dessen Präsident Lukaschenko Knoblauch und Wodka gegen die ‚Corona-Erkältung‘ empfiehlt, ist mittlerweile unter die europäischen Top-Ten bei den Infizierten vorgestoßen, 33.371, Platz 9, hinter den Niederlanden, vor Schweden. Nach Wiedereröffnung der italienischen Kaffeebars stieg dort der ‚heilige‘ Preis für Espresso und Cappuccino, normalerweise 1 €, vielerorts um 10 bis 20 Cents, was zu gewalttätigen Ausschreitungen und dem Sturz der Regierung führte, oder sagen wir, zu Diskussionen am Tresen.

Tipp für heute: Man kann seinen Kaffee auch zuhause trinken. Ich empfehle Löslichen. Da muss man nicht so viel sauber machen.

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Corona-Tagebuch 69

21. Mai 2020

Christi Himmelfahrt. Der einzige kirchliche Feiertag, bei dem ich wirklich weiß, was da passiert ist. Da ist nämlich Christi in den Himmel gefahren. Traditionell gedenken dieses Ereignisses viele Männer bis heute, in dem sie ebenfalls irgendwo hin fahren, ins Grüne oder.., weil Christi ja ein Mann war. Christi ist ja lediglich ein Spitzname, für Christian. Und so geht es mit der S-Bahn und dem Bollerwagen los, bis.., so weit man eben kommt. Das macht Durst, man trinkt geistliche Getränke, denn Christi war ja ein Christ, sagt ja schon der Name und Christen sind ja Geistliche, weil das mal eine Religion war oder immer noch ist und von diesen geistlichen Getränken wird man beseelt und müde und manchmal wird einem auch schlecht, weil der Teufel innerlich einen Kampf ausfechtet, sehr wahrscheinlich. Das ist wissenschaftlich noch nicht so genau erwiesen. Normalerweise bin ich auch immer mit dabei, bei diesen beseelten Horden. Dieses Jahr jedoch verzichte ich auf den Kater danach, wegen Corona. Ich habe nämlich Angst, dass ich die 1,5 m Mindestabstand nicht einhalten würde, falls ich sturzbeseelt durch die Botanik torkele. Werde darum Christi Himmelfahrt zum allerersten Mal in meinem erwachsenen Leben zuhause verbringen. Zur Feier des Tages vielleicht ein Glas Leitungswasser genießen und abends nach dem Sandmann schön ins Bett gehen. Kommt der Sandmann überhaupt, zu Christi Himmelfahrt? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für gestern die höchste jemals gemessene Zahl von Neuinfizierten mit dem Coronavirus bekannt gegeben. Über 106.000 am Tag. Insgesamt haben sich über 5 Millionen Menschen infiziert, weltweit. Über 1.000 Covid-19-Tote meldet Pakistan, über 3.000 Tote Russland und Peru, über 6.000 Mexiko. Statistisch interessante Zahlen erreichen uns aus Nikaragua. Dort gab es Dienstag noch 15 gemeldete Corona-Infizierte und 8 Todesfälle, eine Todesrate von über 30%, weltweit die höchste. Einen Tag später, am gestrigen Mittwoch wurden allerdings bereits 254 Infizierte gemeldet und 17 Tote. Eine Steigerungsrate von.., keine Lust, die auszurechnen. Immerhin aber noch möglich, also sowohl dies auszurechnen, als auch, dass eine solche Steigerungsrate auf natürlichem Wege zustande kommt. Mysteriös jedoch, 199 der Erkrankten gelten bereits wieder als genesen. Eine Blitzheilung? Ist da vielleicht jenes Wundermittel aus Madagaskar auf Beifuß-Basis zum Einsatz gekommen? ‚Covid-Organics‘? Auch Finnland meldet spektakuläre Erkenntnisse. Dort ermittelten Forscher der Universität Helsinki nach Pilotversuchen, dass Hunde charakteristische Duftstoffe im Urin erschnüffeln können, bei Patienten, welche mit dem Corona-Virus infiziert seien. Stelle mir gerade das Prozedere an den Flughäfen vor, sollte jene Methode bei der Einreisekontrolle zur Anwendung kommen. Macht es irgendwie nicht gerade verlockender, eine Weltreise zu planen. Mir fällt es doch immer so schwer, auf Bestellung zu pullern.

Tipp für heute: Ach was, man gewöhnt sich an alles.

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