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Corona-Tagebuch 122

16. Juli 2020

Gummistiefel scheinen das neue Klopapier zu sein. Die Bestellung ist immer noch nicht angekommen und so zogen wir gestern durch die Läden, um irgendwo solche Treter zu ergattern. In fünf verschiedenen Filialen wurde uns achselzuckend mitgeteilt, es gäbe leider keine, dann jedoch in der sechsten hatten wir Glück, im Nachbau einer Arrestanstalt, diesem roten Bunker, welcher sich Alexa schimpft. Ein letztes Paar in der richtigen Größe war vorrätig, 12,99 €. Die Verkäuferin demonstrierte uns, wie man seinen Mund- und Nasenschutz nicht benutzen sollte. Niesen musste sie und zog ihre Maske blitzschnell von der Nase. Damit diese nicht verschmutze, sehr wahrscheinlich, also die Maske. Bestimmt hatte sie nur Allergie, also die Verkäuferin. Nach vierwöchigem Betriebsstopp darf die Tierzerlegefirma ‚Tönnies‘ im Kreis Gütersloh endlich wieder schlachten. Hurra! Für die kommenden zwei Wochen wurde in den Städten Ramallah, Hebron, Nablus und Betlehem des Westjordanlandes wieder eine strenge Ausgangssperre verhängt. Nur Bäckereien und Apotheken dürfen öffnen. In Bagdad können wegen der Corona-Pandemie von Donnerstag bis Sonntag keine Autos benutzt werden. Männer steigen auf ’s Fahrrad um, für Frauen ist dies tabu. Österreich und Irland verschieben wegen steigender Infektionszahlen die Lockerungen für Bars und Nachtclubs um mindestens einen Monat. Rekord bei Neuinfektionen in Israel, 1.758 Fälle am Tag. Über 100 Covid-19-Tote in Albanien, über 200 in Kenia, über 600 in Armenien, über 2.000 in Argentinien. Erfolge mit Impfstoff-Tests werden aus Russland, China, Indien und den USA gemeldet. Welcherart diese Erfolge sind, konnte ich bisher nicht heraus bekommen. Die Horror-Nachricht schlechthin erreicht deutsche Ballermann-Touristen aus Mallorca. Sämtliche Lokale an der „Bierstraße“ und der „Schinkenstraße“ werden geschlossen. Was bitte soll man da jetzt noch?

Tipp für heute: Mal in der „Schnapsstraße“ vorbei schauen?

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Corona-Tagebuch 121

15. Juli 2020

Der traditionelle „Prinsjesdag“ (Tag der kleinen Prinzen), welcher regelmäßig im September zur Eröffnung des parlamentarischen Jahres in den Niederlanden stattfindet, muss 2020 wegen Corona ohne die Fahrt des Königspaares in gläserner Kutsche auskommen. Ach, schade. Auch der Auftritt der Monarchen auf dem Balkon des Palastes fällt aus. Nein! Die Öffentlichkeit wurde gebeten nicht nach Den Haag zu kommen, sondern das abgespeckte Restprogramm im Fernsehen zu verfolgen. Mach ich, versprochen. Die Reisewarnung für Schweden ist von der Bundesregierung aufgehoben worden, weil die Infektionszahlen in letzter Zeit dort deutlich zurück gingen. Dafür stuft das Auswärtige Amt jetzt Luxemburg als Risiko-Gebiet ein. Mehrere Tage hintereinander wurden hier über 50 Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner gemeldet. Die EU hat die Einreise aus Montenegro und Serbien wieder verboten. Thailand verschärft seine Einreiseregeln für Ausländer nach neuen Infektionen durch Touristen. Vorher gab es dort 50 Tage lang keine lokale Übertragung des Virus. Argentinien meldet rätselhaften Virusausbruch auf hoher See. 57 der 61 Besatzungsmitglieder eines Fischkutters seien positiv getestet worden, obwohl sie vor Aufbruch alle negativ getestet worden waren und sich anschließend 14 Tage in Quarantäne befanden, in einem Hotel in Ushuaia. Die Direktorin des Gesundheitsamtes von Feuerland: „Es ist schwer nachzuvollziehen, wie sich die Besatzung angesteckt hat, wenn man bedenkt, dass sie 35 Tage keinen Kontakt zum Festland hatten.“ Mal daran gedacht, dass so ein Test eventuell nicht 100% sicher sein könnte? Belgien registrierte am Montag erstmals seit dem 10. März keinen Covid-19-Todesfall. Über 4.000 Corona-Tote meldet Ägypten, über 45.000 Großbritannien. Ich soll aus dem Centrum-Warenhaus am Alexanderplatz ein paar Gummistiefel abholen, die angeblich über das Internetz bestellt worden sind. Sie kommen aber irgendwie nicht an. Schon vier Tage lang nicht. Es ist zum Verzweifeln. Was mache ich nur?

Tipp für heute: Barfuß durch den Regen!

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Corona-Tagebuch 120

14. Juli 2020

Bei Konnopke unter der Hochbahn, also der Untergrundbahn, die an der Eberswalder Straße als Hochbahn verkehrt, habe ich gestern zwei Currywürste gegessen und dabei bemerkt, zwei sind zuviel, eine reicht locker. Ich wollte meiner Tochter demonstrieren, wie ein richtiger Berliner Currywurst ist, nicht geschnitten sondern ganz. Er lässt sie sich auf dem Teller servieren, nebenbei gut für die Umwelt, spart Müll, und dann dreht man beide Enden der Wurst, die nicht von Soße bedeckt sein dürfen, in entgegengesetzter Richtung, so dass die Wurst in der Mitte auseinanderbricht. Man benötigt keine Plastegabel und die Wurst bleibt schön warm. Immer hat jene Technik funktioniert, nur gestern wollte die Wurst einfach nicht auseinanderbrechen. Ich beschmierte mir die Pfoten und meine Tochter verkniff sich ein Lachen, weil sie ahnte, ich könne sonst richtig wütend werden. Wissen aus uralter Zeit gab ich nebenbei noch preis, erzählte wie viele Tauben hier einst anzutreffen waren, es sei nicht selten passiert, dass einem solch ein Gerät auf den Kopf kotete, wäre aber lange her, meinte ich mit Blick nach oben und wurde prompt bestraft, kein Taubenschiss, ein frecher Spatz kackte mir auf die Jacke. Bei Konnopke muss man jetzt an einer Luke, wo es früher belegte Schrippen und Boullion gab, bestellen, ausgehändigt bekommt man die Wurst an der anderen Luke. Corona sei Dank. In Moskau ist seit heute das Tragen einer Maske im Freien dir selbst überlassen. New York erlebte vorgestern den ersten Tag ohne Covid-19-Toten seit dem 11. März. Kalifornien hingegen verschärft die Corona-Beschränkungen. Bars, Kinos, Museen müssen schließen, Restaurants dürfen ihre Innenbereiche nicht mehr nutzen. England verhängt eine Maskenpflicht in Läden ab dem 24. Juli. In Hongkong müssen Nachtclubs, Schönheitssalons, Fitnessclubs und Karaoke-Bars schließen, ab Montag gilt eine Maskenpflicht im ÖPNV, öffentliche Versammlungen von mehr als 4 Personen sind verboten. Ein Lockdown für eine Woche wurde über die indische Millionenstadt Bangalore verhängt. Auch für einen Teil der philippinischen Hauptstadt Manila gilt ein Lockdown und für Teile der kolumbianischen Städte Medellin und Bogota. 2,5 Millionen der 8 Millionen Einwohner der kolumbianischen Hauptstadt Bogota dürfen ihre Häuser nur noch verlassen um Lebensmittel und Medikamente zu kaufen oder zum Arzt zu gehen. Der Verkauf von Alkohol wird an den Wochenenden verboten. Einen Rekordwert für Neuinfektionen meldet Israel, 1.681 Fälle am Tag. Über 7.000 Covid-19-Tote in Chile. Seit dem Corona-Lockdown wird Myanmars antike Königsstadt Bagan von Plünderern heimgesucht. 12 Tempel wurden bereits ausgeraubt, antike Münzen und Jadeschmuck gestohlen. „Als hier Touristen waren, gab es keine Plünderungen“ meint Myint Than, stellvertretender Leiter der Archäologiebehörde. Eine Schlagzeile noch, zum Schluss, über die man vor der Pandemie den Kopf geschüttelt hätte und über die man auch nach der Pandemie nur den Kopf schütteln dürfte, tagesschau.de titelt heute: „Österreich hebt Einreisebeschränkung für Gütersloh auf“.

Tipp für heute: Vielleicht hebt ja dann auch Gütersloh bald die Einreisebeschränkung für Österreich wieder auf.

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Corona-Tagebuch 119

13. Juli 2020

Ein bewegender Abend gestern in der Geschichte der Corona-Pandemie. Zum vorerst letzten Mal wurde die Reformbühne per Livestream übertragen. Großer Dank gilt allen Spendern, die vor allem in jener Zeit, in der wir nicht vor Publikum in Volksbühne oder Baiz auftreten konnten, uns mit Moneten bedachten. Großer Dank gilt auch Frank Sorge, der das technisch auf die Reihe brachte, sämtliche Klippen bewältigte, ob der Ton nun doppelt, zu laut, zu leise oder gar nicht kam, die Zoom-Verbindung plötzlich weg war oder das Bild hakte, er meisterte es, mit Ruhe und Gelassenheit, einfach bewundernswert. Ich hätte längst das Handtuch geschmissen und wahrscheinlich nicht nur das Handtuch. Ab nächster Woche sind wir nur noch live in der Schankwirtschaft Baiz, unserem Sommerquartier, zu erleben, Sonntag für Sonntag, 20 Uhr geht ’s los. Doch wer weiß, vielleicht streamen wir irgendwann erneut, wegen zweiter Welle, oder weil wir Bock drauf haben. Ungarn hat nach steigenden Infektionszahlen eine Ampel für Einreisen in das Land verfügt. „Grün“ bedeutet man darf uneingeschränkt einreisen, gilt unter anderem für Reisende aus Deutschland, „Gelb“ bedeutet, man muss nach Einreise 14 Tage in Quarantäne, gilt unter anderem für Norwegen, Bulgarien, Russland, China und USA, „Rot“ bedeutet Einreiseverbot, betrifft unter anderem Ukraine, Kosovo, Kanada, Australien, die meisten asiatischen und alle Länder Afrikas, Ozeaniens, Mittel- und Südamerikas. Ein grotesker Witz, diese Ampel. Bemerkt sicher kaum jemand, dass jenes Land welches momentan Rekord um Rekord bei den Neuinfizierten bricht, die USA nämlich, das meistbetroffene Land der Erde, als nicht so gefährlich eingestuft wird, wie Kanada, was kaum Neuinfizierte vermeldet. Und ist bestimmt auch nur Zufall, dass alle ärmeren Länder Afrikas und Asiens unter „Rot“ verzeichnet werden, egal, ob es dort überhaupt Infektionsfälle gibt. Corona als Ausrede für die Diskriminierung bestimmter Menschen. Beim „Gelb“ für Norweger zum Beispiel handelt es sich um eine simple Retourkutsche, dort gibt es seit Wochen kaum Infektionsfälle, Ungarn jedoch dürfen nicht nach Norwegen einreisen. Nehmt das! Über 4.000 Corona-Tote in Südafrika, über 35.000 in Mexiko, über 135.000 in den USA. Zwei US-amerikanische Militärbasen im japanischen Okinawa wurden nach 62 Infektionsfällen in den letzten Tagen vollständig abgeriegelt. Südafrika verschärft seine Corona-Maßnahmen. Präsident Ramaphosa kündigte ein erneutes Alkoholverbot, nächtliche Ausgangssperre und eine Maskenpflicht außerhalb der eigenen vier Wände an. In Katalonien dagegen wurde die Ausgangssperre nach einem Gerichtsbeschluss wieder außer Kraft gesetzt. 26.000 australische Dollar mussten Gäste einer Geburtstagsparty in Melbourne Strafe zahlen, weil sie verpetzt wurden, als jemand in einem Fastfood-Restaurant 20 Portionen irgendwas bestellte. Anhand des von den Petzen angegebenen Nummernschildes fand die Polizei den Ort der Party. Dort seien 16 Personen gerade dabei gewesen ihren Snack zu vernaschen.

Tipp für heute: Petzen verpetzen.

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Corona-Tagebuch 118

12. Juli 2020

Der Wind weht aus Nordwesten derzeit und bläst nicht nur die Blätter weg, die Textblätter, wie bei meiner vorgestrigen Open-Air-Lesung in Potsdam, sondern sorgt auch für erhebliche Niesanfälle. Warum meine Allergie bei Wetter aus Nordwesten besonders stark ist, schon bei Südwestwind ist sie fast gar nicht spürbar, weiß ich nicht und die Mediziner konnten bisher auch nur mit ihren Schultern zucken. Psychisch, vielleicht alles psychisch bedingt. Ein paar Wochen lang dachte ich ja, die Kritiker der Corona-Maßnahmen des „Merkel-Regimes“ wären komplett verdampft, nachdem die Maßnahmen zum größten Teil beendet wurden, gestern jedoch liefen Hunderte durch die Stuttgarter Innenstadt. Die Initiative ‚Querdenken 711‘ hatte zu einem ‚Fest für Frieden und Freiheit‘ aufgerufen, im Unteren Schlossgarten. Vorher wurde gegen Corona-Maßnahmen protestiert. Gegen was eigentlich? Gegen Maske tragen in der Straßenbahn? Hunderte Deutsche waren in Stuttgart nicht mit dabei, sondern weilten auf Mallorca und demonstrierten dort auf ihre Weise gegen die spanischen Corona-Maßnahmen. Sie machten Party, ohne Maske, ohne vorgeschriebenen Mindestabstand, weder auf Straßen, noch in Lokalen. Wie die ‚Mallorca-Zeitung‘ berichtete, feierten und tanzten die Deutschen als gäbe es kein Corona. Die wenigen Menschen, die Maske trugen, seien zum Teil ausgelacht worden. In Montreal dürfen wegen steigender Infektionszahlen Bars nur noch bis Mitternacht Alkohol ausschenken und müssen um 1 Uhr schließen. Kalifornien entlässt wegen der Pandemie 8.000 Strafgefangene vorzeitig. Die Tischtennis-WM im südkoreanischen Busan musste zum dritten Mal verschoben werden, nun auf März 2021. Rekordwerte an Neuinfektionen melden Indien, 27.114 am Tag und die USA, 66.627 am Tag. Über 1.000 Covid-19-Tote in Afghanistan und in Algerien, über 3.000 im Irak, über 5.000 in Ekuador. Den fünften Tag in Folge dauern die Protest-Aktionen gegen die Corona-Maßnahmen in Serbien nun bereits an, die letzten beiden Tage blieb es dabei friedlich. Auch im israelischen Tel Aviv demonstrierten 10.000 Menschen gegen die finanziellen Folgen der Corona-Krise und die fehlende Unterstützung durch die Regierung. Am Rande der Proteste kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Arbeitslosenquote in Israel liegt zur Zeit bei mehr als 20%. Grünen-Vorsitzende Göring-Eckhart fordert ein bundesweites Existenzgeld für Selbstständige in Not von monatlich 1.200 €. Sie habe große Sorge, dass nach der Krise viele Musiker, Schausteller und Künstler nicht mehr da seien, meinte die Politikerin.

Heute: Berlin, Schankwirtschaft Baiz, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Spider, Falko Hennig, Technik-Held Frank Sorge, Gott und mich, einer legendären Anneliese-Hülschrath-Gedächtniskolumne von Jürgen Witte und unseren famosen Superstargästen Susanne Riedel (ab September festes Reformbühnen-Mitglied), Milena Reinecke (beste U-21-Schriftstellerin) und NAnogott (Pop aus der NAno-Welt) vorerst letztmalig Livestream-Übertragung wer für nächste Woche in der Baiz reservieren möchte (für heute leider schon ausverkauft): reservierung-reformbuehne@web.de

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Corona-Tagebuch 117

11. Juli 2020

Was mache ich eigentlich, sollte aus irgend einem verrückten Grunde die Pandemie plötzlich vorbei sein? Ich klicke die Corona-Daten der Johns-Hopkins-Universität an und die Seite bleibt schwarz oder ist weg und trotzdem dreht sich die Erde weiter. Wüsste ich mit meiner Zeit noch etwas anzufangen? Wäre das Leben nicht entsetzlich leer? Vielleicht. So weit aber ist es ja noch nicht, also Augen zu und durch, beziehungsweise Augen auf und durch. Der französische Busfahrer ist gestorben, der von zwei Männern verprügelt wurde, weil diese in seinem Bus keine Maske aufsetzen wollten. Er befand sich seit Tagen hirntot im künstlichen Koma, nun erwirkten die Angehörigen die Abschaltung der Geräte. Vielleicht hätte man die Täter zwingen müssen die Geräte auszuschalten? Nein. Hätte man nicht. Belgien weitet seine Maskenpflicht aus. Bisher galt dort nur eine Maskenpflicht im ÖPNV, nun muss auch in Läden, Kinos, Kirchen, Bibliotheken und anderen öffentlichen Gebäuden ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die spanische Region Extremadura verhängt eine strenge Maskenpflicht. Personen über 6 Jahren müssen ab heute im Freien und in geschlossenen Räumen Maske tragen. Deutschland dagegen diskutiert weiter über die Abschaffung der Maskenpflicht. Laut Bundeswirtschaftsminister Altmeier könne diese aufgehoben werden, sinke die Zahl täglicher Neuinfektionen unter 100. Im Schnitt liegt sie zur Zeit zwischen 300 und 500 pro Tag. Lettland nimmt einen Teil seiner Lockerungen zurück. Kultur- und Freizeiteinrichtungen dürfen nur noch bis Mitternacht öffnen, in Bars und Restaurants Gäste zu maximal viert am Tisch sitzen. New York verlängert das Verbot von Großveranstaltungen bis Ende September. Ausdrücklich ausgenommen davon bleiben Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Wasser auf die Mühlen von Verschwörungstheoretikern, meiner Meinung nach. Einen Rekordwert bei täglichen Neuinfektionen meldet Costa Rica, 649. Über 30.000 Covid-19-Tote in Frankreich, über 70.000 in Brasilien. Die erste Hinrichtung in den USA auf Bundesebene seit 17 Jahren wurde vorerst ausgesetzt. Grund sei, dass Hinterbliebene der Opfer jener Hinrichtung zwar beiwohnen wollten, jedoch Angst hätten, wegen der Corona-Pandemie zu reisen, erklärte die zuständige Richterin.

Tipp für heute: 8 Karten gibt es noch für die sonntägliche Reformbühne in der Baiz mit Susanne Riedel und Milena Reinecke und NAnogott und Spider und Falko und Frank und Jürgen und mich. Karten reservieren kann man unter: reservierung-reformbuehne@web.de.

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Corona-Tagebuch 116

10. Juli 2020

Mein Höhepunkt des gestrigen Tages war der Besuch des Recycling-Hofes an der Behmstraße. Da stehen jede Menge Container und in jeden von ihnen kann man etwas hinein werfen (oder stellen) was man zuhause nicht mehr braucht. Elektrogeräte, Gasherde, Waschmaschinen. Kernreaktoren? Ich habe einen Altkleidersack versehentlich in den Container für Schuhe geworfen. Wurde von den Aufsehern aber nicht bemerkt. Wegen Corona? Mir tut es auf jeden Fall entsetzlich leid. Ganz falsch allerdings lag ich nicht, denn in dem Sack befinden sich neben Lumpen auch zwei Paar Sandaletten. Die Kaufhallenkette Woolworth führt in Melbourne auf Grund von Hamsterkäufen wegen erneuter Ausgangssperren wieder Einkaufsbeschränkungen für Gemüse, Nudeln und Zucker ein. Nanu? Fehlt da nicht was? Wie sieht ’s mit Klopapier aus? Das österreichische Bundesland Kärnten verhängt eine abendliche Maskenpflicht in stark besuchten Touristenorten. Wegen steigender Infektionszahlen nimmt Bulgarien Lockerungen zurück. Bars, Nachtclubs und Diskotheken müssen wieder schließen, Sportveranstaltungen ohne Publikum auskommen. Hongkong schließt sämtliche Schulen. Im indischen Bundesstaat Bihar wurde für die Hauptstadt Patna ein einwöchiger Lockdown angeordnet, für den bevölkerungsreichsten Bundesstaat Uttar Pradesh, 230 Millionen Einwohner, ein Lockdown für das Wochenende. Rekordwerte an Neuinfektionen melden Israel, 1.464 Fälle am Tag, Mexiko, 7.280 am Tag, Südafrika, 13.674 am Tag, Indien, 26.506 am Tag und die USA, 65.551 am Tag. In Bolivien ist Übergangspräsidentin Jeanine Anez positiv getestet worden, drei Kabinettsmitglieder ebenfalls, darunter die Gesundheitsministerin Maria Eidy Roca. Über 5.000 Covid-19-Tote meldet Pakistan. Was mir aufzufallen scheint, vielleicht kommt uns ja die Natur selbst zuhilfe? Könnte nämlich sein, dass das Virus schon mutiert ist und sich ein wenig seinem Wirt anpasst. Meinerserachtens steigen die Infektionszahlen schneller als die der Todesopfer, auch im Verhältnis zueinander. Kann natürlich andere Gründe haben, die Altersstruktur stark betroffener Länder, mehr Tests oder eine Verschleierung von Todesursachen. War auch nur so eine Idee. Eine Hoffnung. Ein naiver Wunschtraum. Tschuldigung.

Heute: Potsdam, Waschhaus (Open Air), 19 Uhr: Ahne liest, singt und trinkt (neue Texte, alte Schlager, Bier) garantiert ohne Corona-Tagebucheinträge!

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Corona-Tagebuch 115

9. Juli 2020

Nach teilweise gewalttätigen Protesten gegen die angekündigte erneute Ausgangssperre in Serbien, bei denen mehr als 40 Menschen verletzt wurden, hat Präsident Aleksandar Vucic die Ausgangssperre wegen gestiegener Infektionszahlen zurück genommen. Die Proteste gehen trotzdem weiter. Erneut befanden sich Tausende auf den Straßen. Griechenland verlangt seit gestern von allen Reisenden, die aus Bulgarien über die Grenze kommen, ein negatives Corona-Testergebnis. Österreich warnt vor Reisen nach Bulgarien, Rumänien und Moldawien. Rumänien verkündet einen Rekordwert bei Neuinfizierten, 555 am Tag. Rekordwert bei Neuansteckungen auch in Tokio, 224 am Tag. In Indien hingegen sinkt die Ansteckungsrate, es sind jedoch immer noch circa 25.000 pro Tag. Ab kommender Woche öffnet Finnland seine Grenzen für Reisende aus Deutschland, Italien, den Niederlanden und der Schweiz. Für Schweden, Portugiesen, Franzosen und Spanier bleiben sie vorerst geschlossen. Dänemark führt einen Corona-Pass für Reisende ein, der eine coronafreie Gesundheit bescheinigen soll. Wie lange so ein Pass gültig sein soll, konnte ich nicht heraus bekommen. Theoretisch könnte man sich ja eine Stunde später schon angesteckt haben. Ich muss aber auch immer alles mies reden. Immer? Nein! Es gibt was zu feiern. Das norditalienische Bergamo gab gestern den ersten Tag nach dreieinhalb Monaten ohne Covid-19-Patienten auf der Intensivstation bekannt. Und, auf der indonesischen Insel Bali endet die Ausgangssperre. Und, Turkmenistan, ein Land, welches Frauen als mittlerweile einziges Land der Erde das Autofahren verbietet, wo es nur erlaubt ist weiße Autos zu fahren (Lieblingsfarbe des Präsidenten, dabei ist weiß gar keine Farbe), wo kurze Badehosen und Bikinis nicht verkauft werden dürfen, aber jeder Bürger ein Fahrrad besitzen muss und wo selbstverständlich kein einziger Infektionsfall mit dem Coronavirus bekannt gegeben wurde, dieses Turkmenistan, auf der Weltrangliste der Pressefreiheit auf dem letzten Platz, noch hinter Nordkorea, erlaubt einer Delegation von Gesundheitsexperten der WHO für 10 Tage die Einreise. Yippie!

Tipp für heute: Die Sektkorken knallen lassen.

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Corona-Tagebuch 114

8. Juli 2020

Corona-Ausweich-Sommer-Live-Lesung gestern bei ‚L.S.D. – Liebe statt Drogen‘ in einem Hofdurchgang der Ziegelstraße vor 4 anwesenden Zuschauern. Ein Kormoran flog über uns hinweg. Einer dieser schwarzen Vögel, die vorne lang und hinten kurz sind. Ein Zeichen? Gegen Ende der Lesung begann es zu tröpfeln und Bier gab es auch, hätte mir gar keins mitbringen müssen. Hoffnungsvoll stimmt mich die Vorankündigung der befreundeten Action-Lesebühne ‚Tiere streicheln Menschen‘: „Tiere streicheln Menschen – Das Sommerprogramm, in der Freilichtbühne Weißensee, wie immer mit neuem Programm“. Los geht es am 15. August. Allerdings 2021. Nach deutlicher Zunahme von Neuinfektionen tritt ab übermorgen in Serbien erneut eine Ausgangssperre in Kraft. Sofort gab es Proteste mit Ausschreitungen. Eine Gruppe Demonstranten versuchte das Parlamentsgebäude zu stürmen. Im Westjordanland wird der Lockdown um fünf Tage verlängert. Katalonien will eine strenge Maskenpflicht auch im Freien einführen. Nordrhein/Westfalen verbietet große Festveranstaltungen bis zum 31.10., darunter fallen Volks-, Stadt-, Dorf-, Straßen-, Schützen- und Weinfeste. Also lieber ein Bierfest organisieren. Die kolumbianische Guerilla-Gruppe ‚Nationale Befreiungsarmee‘ (ELN) hat der Regierung des Landes einen 90-tägigen Waffenstillstand wegen der Corona-Pandemie angeboten. In Brasilien wurde Präsident Jair ‚kleine Grippe‘ Bolsonaro positiv auf das Virus getestet. Na endlich! Hat er ’s also geschafft! Jetzt gibt er im Fernsehen damit an, dass er Pillen schlucken kann, lächelnd. Applaus! Erneute Rekordzahl an Neuinfizierten meldet die USA, 60.209 am Tag. Über 1.000 Covid-19-Tote in Guatemala, über 2.000 in Saudi-Arabien. Deutschland hat in den letzten Monaten 13% weniger Speiseeis importiert. Fast zwei Drittel davon kamen aus den Nachbarstaaten Belgien, Frankreich und, ja, Polen. Was ist mit Italien? Italien ist natürlich kein Nachbarstaat.

Tipp für heute: Danke auf Polnisch heißt: Dziekuje (die beiden Strichelchen unter den e’s müsste man sich dazu denken).

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Corona-Tagebuch 113

7. Juli 2020

Finanzminister Scholz sieht den Tiefpunkt der Wirtschaftskrise in Deutschland überwunden. Dem Nachrichtenportal ‚The Pioneer‘ sagte er: „Der Wumms ist schon spürbar.“ Ich tötete gestern mehrere Lebewesen. Vier Mehlmotten fielen meiner Mordlust zum Opfer. Schneider zu früheren Zeiten durften noch stolz sein, auf solche Jagderfolge, präsentierten die Zahl der Leichen auf Gürteln oder stickten sie in Taschentücher, ich dagegen muss mich zuhause rechtfertigen. Mir wird vorgeworfen, ich lebe niederste Instinkte aus. Tue ich ja vielleicht auch. Aber ich mache das doch für uns alle! Damit wir was zu essen haben! Schon am Montag wurden die Corona-Einschränkungen im Kreis Gütersloh nach einem Gerichtsbeschluss wieder aufgehoben, passend dazu sanken heute die Infektionszahlen dort unter die kritische Marke. In der australischen Millionenstadt Melbourne erlässt die Regierung ab Donnerstag sechswöchige Ausgangsbeschränkungen, wie wir sie hierzulande aus dem April kennen. Bei der muslimischen Hadsch 2020 am 28. oder 29.07. nach Mekka können nur wenige Tausend Menschen (2019: fast 2,5 Millionen) teilnehmen, die sich bereits in Saudi-Arabien befinden, sie müssen unter 65 Jahre alt sein, 1,5 m Mindestabstand wahren, Maske tragen und dürfen das würfelförmige Gebäude der Kaaba nicht berühren. Spanien verlängert das Verbot des Anlegens von Kreuzfahrtschiffen bis zum Ende der Corona-Krise. Nehmt das, Kreuzfahrer! Nach zwei Wochen ohne Corona-Neuinfektionen sind in Griechenland wieder positive Fälle gemeldet worden, 43, darunter allein 20 eingereiste Serben. Seit Montagmorgen hält Griechenland seine Grenze für Reisende von dort geschlossen. Über 20.000 Covid-19-Tote meldet Indien, über 65.000 Brasilien, über 130.000 die USA. Ein französischer Busfahrer ist nach Streit mit einer Gruppe, die im Bus keine Maske tragen wollten, so stark verprügelt worden, dass er gestern für hirntot erklärt wurde. Viele Kollegen meldeten sich daraufhin krank, so dass der Busverkehr in der Region fast zum Erliegen kam. Gelangen solche Opfer eigentlich auch in die Statistik der Pandemie?

Heute: Berlin, Durchgang und Hof der Ziegelstraße 5, 20 Uhr: L.S.D. – Liebe statt Drogen mit Uli Hannemann, Tube, Eva Mirasol und Ivo Lotion, sowie den Gästen Mandana und mich

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