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Corona-Tagebuch 191

29. September 2020

Die Einschläge rücken wieder näher. Alle Nase lang treffen sich irgendwelche Verantwortlichen um über mögliche Verschärfungen der Maßnahmen zu beraten. In Berlin und im Bundesgebiet. In den Niederlanden ist es bereits soweit. Dort müssen sämtliche Sportveranstaltungen erneut ohne Publikum auskommen, Cafes und Restaurants um 22 Uhr schließen, nur noch 30 Menschen insgesamt dürfen sich in einem Lokal befinden (im Freien 40) und zuhause soll man maximal 3 Personen zu Besuch haben. Lediglich empfohlen wird, von daheim zu arbeiten. Gesundheitsminister Hugo de Jonge: „Entweder wir schaffen es, die Zahl der Infizierten zu senken oder wir schaffen es nicht.“ Tja, allzu viele andere Möglichkeiten gibt es ja nicht, oder? Doch halt, es geht weiter. „Wenn nicht, dann sind härtere Maßnahmen nötig.“ Dies könne die Stilllegung des gesamten Gastronomie-, Sport- und Kultursektors bedeuten. Es gehe dann wieder Richtung Lockdown, so de Jonge. Merkt euch das, Kinder. In München wird bereits die Armee eingesetzt. Allerdings nur zur Büroarbeit, um Kontaktdaten bei Infektionsfällen zurück zu verfolgen. Moskauer Schülerinnen und Schüler bekommen wegen Corona längere Herbstferien. Sie dauern diesmal vom 5. bis 18. Oktober. Fernunterricht ist nicht geplant. Freizeiteinrichtungen für Kinder schließen ebenfalls. Den Corona-Impfstoff ‚Sputnik V‘ liefert Russland bereits nach Weißrussland, wo sich ab 1. Oktober Freiwillige impfen lassen können. Es ist das erste Mal, dass der Impfstoff im Ausland zum Einsatz kommt. In Sizilien beginnt morgen die Maskenpflicht im Freien. Sie gilt für alle über 6 Jahren und soll mindestens bis 30. Oktober dauern. Allerdings muss man sich lediglich eine Maske aufsetzen, wenn ein fremder Mensch in der Nähe ist. Bleibt die Frage, wie definiert man „fremd“. Ist der Nachbar ein „Fremder“? Jemand aus dem Nachbardorf? Oder sind nur Ausländer „Fremde“? Über 700 Covid-19-Tote meldet Kenia, über 800 Bulgarien, über 8.000 die Türkei, über 9.000 der Irak, über 205.000 die USA, über eine Million sind es weltweit. In Deveselu, einem Dorf in Süd-Rumänien, ist bei den Kommunalwahlen am Sonntag der Bürgermeister Ion Aliman wiedergewählt worden. Mit 1.057 von 1.600 Stimmen, ein Erdrutschsieg. Die Besonderheit, der Bürgermeister ist zehn Tage zuvor an Covid-19 verstorben. Nach seinem Tod war es zu spät gewesen, den Namen des Sozialdemokraten vom Stimmzettel zu nehmen. Er wäre am Wahltag 57 Jahre alt geworden.

Tipp für heute: Am Nachmittag soll die Sonne raus kommen, zumindest in Berlin.

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Corona-Tagebuch 190

28. September 2020

Gestern die Reformbühne geschwänzt. Nicht wegen Corona, ich war bei so was Ähnlichem wie einer Jugendweihe. Bin gar nicht selber geweiht worden, obwohl es nach Aussage einiger Menschen langsam mal an der Zeit wäre, die Reihen der Erwachsenen zu verstärken, nein, es handelte sich um eine andere Person, die dort im Fläming Abschied von ihrer Kindheit nahm. Dauerregen war angesagt worden und dann schien doch die Sonne. Ein Wunder! Heute habe ich Muskelkater. Ein Wunder! Oder lag es daran, dass ich zu viele Tische schleppte, mit meinen zarten Schriftstellerärmchen? Ab heute gilt in den Niederlanden eine Sperrstunde für die Gastronomie. 1 Uhr müssen alle Kneipen dicht sein. In Melbourne ist nach fast zwei Monaten die Corona-Ausgangssperre aufgehoben worden. Viele Einschränkungen gelten allerdings weiterhin. Man darf sich höchstens 5 km von zuhause entfernen, lediglich „relevante“ Geschäfte öffnen. Armenien und Aserbaidschan befinden sich seit gestern im Kriegszustand, Grund ist mal wieder die Region Berg-Karabach, die fast ausschließlich von Armeniern bewohnt wird, völkerrechtlich aber zu Aserbaidschan gehört. Nun wird dort also erneut gekämpft, obwohl doch die UNO wegen der Corona-Pandemie zur Einstellung sämtlicher bewaffneten Konflikte aufgerufen hatte. Schon pervers irgendwie, nicht die Forderung nach Einstellung der Kämpfe, nur der Grund. Fordert die UNO nach Ende der Pandemie etwa die Wiederaufnahme der Waffengewalt? In Deutschland beantragt die AfD die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses, der die Maßnahmen der Bundesregierung überprüfen soll. Es müsste allerdings eine zweite Fraktion diesen Antrag unterstützen, womit nicht gerechnet wird. Einen Rekord an Neuinfektionen melden die Niederlande, 2.995 Fälle am Tag. Über 200 Covid-19-Tote in Myanmar und in Tunesien, über 500 in Libyen, über 600 in Kuweit und in Tschechien, über 800 in Paraguay, über 900 im Oman, über 95.000 in Indien. In Weißrussland gehen fast jeden Tag die Menschen weiter gegen den letzten europäischen Diktator Lukaschenko auf die Straße, für eine Demokratisierung. In unseren Medien wird das Land ja mittlerweile Belarus genannt. Dies wurde im Fernsehen damit erklärt, man wolle so den Unterschied zu Russland deutlicher betonen. Weißrussland klinge nämlich, als würde es zu Russland gehören. Dass Bela allerdings weiß und rus Russland heißt, wurde nicht dazu gesagt. Lustiges Kauderwelsch entsteht nun, wenn sie vom belarusischen Präsidenten sprechen statt vom belarussischen oder eben weißrussischen. Da wäre es weitaus sinnvoller gewesen Finnland Suomi, Griechenland Hellas oder Kroatien Hrvatska zu nennen, das macht dann nämlich wirklich einen Unterschied. Ach ja.

Tipp für heute: Ist doch egal.

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Corona-Tagebuch 189

27. September 2020

Im Anschluss an meine Lesung vorgestern, begegnete ich in der Pankower Florastraße einem Fuchs. Daran ist sicher nichts Ungewöhnliches. Einem Fuchs begegnet man häufiger in Berlin. Dieser jedoch wich mir nicht mehr von der Seite. Eine ganze Weile lief er neben mir, guckte mich an, ab und zu, wie ein Hund. Blieb ich stehen, blieb er stehen, lief ich weiter, lief er weiter. Immer im nötigen Mindestabstand von 1,5 m. Als wir an der nächsten Querstraße angelangt waren, drehte ich mich zu ihm und stampfte einmal kräftig mit dem Fuß auf. Der Fuchs verstand und verschwand. Belgien verkürzt ab 1. Oktober die Quarantänepflicht bei Corona-Verdachtsfällen auf 7 Tage. Irans Präsident Hassan Rouhani hat eine einwöchige Ausgangssperre in Provinzen mit hohen Fallzahlen angekündigt. Die konservative Madrider Regionalpräsidentin wurde von der Landesregierung ermahnt, stärkere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zu ergreifen, sonst müsse die spanische Hauptstadt insgesamt abgeriegelt werden. Bisher wurden nur eher ärmere Bezirke unter Lockdown gestellt. Die Infektionszahlen sind in Madrid etwa dreimal so hoch, wie im Rest Spaniens, ungefähr 50 mal so hoch wie in Deutschland. Über 400 Covid-19-Tote meldet Südkorea, über 600 Venezuela, über 800 Costa Rica, über 2.000 Marokko, über 4.000 die Ukraine, über 20.000 Russland. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte warnt vor Angeboten über Postkarten, in welchen für 100 € ein Immunschutz gegen Corona-Viren, aber auch gegen alle anderen Arten von Viren, Keimen und Bakterien offeriert wird. Sehr wahrscheinlich stünden hinter diesem Schnäppchen Betrüger.

Tipp für heute: Solche Postkarten sammeln, die sind später mal tierisch viel wert.

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Corona-Tagebuch 188

26. September 2020

Schöne Lesung gestern im Pankower ‚Zimmer 16‘. Ausverkauft! Zugegeben, war jetzt bei 20 Menschen, die wegen der Corona-Beschränkungen rein durften, auch nicht so schwer. Trotzdem, ‚Ausverkauft!‘, liest sich immer prima. Kann man ja späteren Generationen einfach vorflunkern, man hätte früher ebenfalls vor 100.000 Leuten auftreten können, was die Pandemie leider nicht zuließ. Ja, was soll man klagen. So waren eben die Zeiten, Kind. Florida hebt sämtliche Beschränkungen für Bars, Restaurants, Fitnessstudios und „andere Unternehmen“ auf. Mit Hilfe von 4.400 Influencern möchte Bali wieder Touristen auf die indonesische Insel locken. Von Oktober bis November dürfen sie kostenlos dort umher reisen und im Rahmen der Kampagne „We love Bali“ in sozialen Medien von ihren Erfahrungen berichten. Bin ich nicht auch so was wie ein Influencer? Ach, vergaß, Jens Spahn rät ja, im Lande zu bleiben. Schade eigentlich. Für mehrere Städte in Wales sind Ausgangssperren angeordnet worden. Einwohner von beispielsweise Cardiff und Swansea dürfen ab Sonntagabend nur noch für Arbeit, Schulbesuch und aus „triftigen Gründen“ die Städte verlassen. Laut einer Studie, geleitet vom Londoner King’s College, seien 80% der befragten Briten, die in den letzten sieben Tagen Symptome wie Fieber, Husten oder Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns verspürten, nicht zuhause geblieben. Nur 11,9% von ihnen hätten sich um einen Corona-Test bemüht. Nach Einschätzung der Wissenschaftler könnte eine finanzielle Unterstützung in der Zeit der Quarantäne dazu führen, dass sich mehr Betroffene an die Regeln hielten. Steile These. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin habe eine Ausgangssperre für Einwohner über 65 Jahren angeordnet, berichtet tagesschau.de. Weiter unten im Text heißt es allerdings, Senioren sollen „so selten wie möglich Einkaufen gehen“ und „Spaziergänge bleiben in der russischen Hauptstadt jedoch erlaubt“. Ist das eine Ausgangssperre? Dänemark verlängert seine Corona-Beschränkungen bis 18. Oktober. Litauen führt eine Quarantäne-Pflicht für Deutsche ein, die darüber hinaus auch für Reisende aus Estland, Polen, Island und San Marino gilt. In Paris, Marseille und weiteren französischen Städten müssen Schwimmbäder, Fitnessstudios und Festhallen schließen. Hunderte Gastronomen haben in Marseille gegen die Ankündigung der Schließung sämtlicher Bars und Restaurants protestiert. Einige der Gastronomen drohten, sich der Schließung zu widersetzen. Rekorde an Neuinfektionen melden die Slowakei, 419 Fälle am Tag, Dänemark, 678 Fälle am Tag, Polen, 1.587 Fälle am Tag und Indonesien, 4.823 Fälle am Tag. Über 15.000 Covid-19-Tote in Argentinien, über 25.000 in Kolumbien, über 140.000 in Brasilien. UN-Generalsekretär Antonio Guterres in New York: „Die Pandemie ist ein eindeutiger Test für die internationale Zusammenarbeit, ein Test, den wir im Wesentlichen nicht bestanden haben.“ Ob ihm jemand zuhörte?

Heute: Berlin, Kinderzentrum Ottokar, 21:30 Uhr: Ahne liest, singt und trinkt eine Dreiviertelstunde im Rahmen der ‚Großen Familiennacht‘ (für weiter westlich Sozialisierte, eine Dreiviertelstunde entspricht Viertel vor einer Stunde)

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Corona-Tagebuch 187

25. September 2020

Es regnet. Wissenschaftler der Berliner Charite und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen haben nach eigenen Angaben „hochwirksame“ Antikörper gegen das Coronavirus entdeckt. Sie verfolgen nun die Entwicklung einer „passiven Impfung“. Hurra! Darauf einen Dujardin! Die Bundesregierung hat weitere Regionen zu Risiko-Gebieten erklärt, darunter den Großraum Lissabon, die Bretagne, die niederländische Provinz Utrecht, fast ganz Tschechien, Dublin, Kopenhagen und die Vereinigten Arabischen Emirate inklusive Dubai und Abu Dhabi. Gesundheitsminister Spahn empfiehlt in den Herbst-, Weihnachts- und Winterferien nur in Deutschland Urlaub zu machen, weil man im Sommer ja gesehen habe, wie das Virus durch Reisende wieder bei uns eingeschleppt werden könne. Dass es ebenso möglich ist, das Virus, aus dem nicht gerade corona-freien Deutschland, in andere Länder hinaus zu tragen, wird selten erwähnt. Bewusst? Rio de Janeiro verschiebt den Karneval 2021 auf unbestimmte Zeit. RTL, wusste gar nicht, dass es den Sender noch gibt, veranstaltet wegen Corona sein ‚Dschungelcamp‘ statt in Australien, Geschäftsführer Jörg Graf: „Australien scheidet derzeit für die Produktion aus, so wie für uns alle Urlaubsreisen in entfernte Länder schwierig oder gar nicht möglich sind“, in Wales. Nun müssen sie da bloß noch Tiere suchen, vor denen sich die deutsche Couchkartoffel ekelt. Schafe? Israel startet heute in den Lockdown. Bis auf den Feiertag Yom Kippur am Montag werden die Synagogen geschlossen. Es darf nur noch in „essentiell wichtigen Unternehmen“ gearbeitet werden, der öffentliche Nahverkehr wird eingeschränkt, nur in Ausnahmefällen ist es gestattet, sich weiter als 1 km von zuhause zu entfernen. Auch die Stadt Hamm in Westfalen handelt. Zur Eindämmung der Corona-Welle hat man dort zwei Junggesellinnen-Abschiede und eine Verlobungsfeier verboten, sagte ihr Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) der Nachrichtenagentur dpa. Rekorde an Neuinfektionen melden Großbritannien, 6.634 Fälle am Tag, Israel 7.527 Fälle am Tag und Frankreich, 16.096 Fälle am Tag. Über 75.000 Covid-19-Tote verzeichnet Mexiko. Altötting ist unterdessen zum ‚Bahnhof des Jahres‘ gewählt worden. Die bayrische Station besitzt nicht nur einen Imbiss in ihrem Bahnhofsgebäude, sondern sogar eine Umkleidekabine für Radfahrer. Ob es dort auch eine Bank zum Hinsetzen gibt, konnte ich der Meldung leider nicht entnehmen.

Heute: Berlin, Zimmer 16, 21 Uhr: ’52 Jahre Apfelsinenkisten‘ (Ahne liest, singt und trinkt) neue Texte, alte Schlager, Bier

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Corona-Tagebuch 186

24. September 2020

Heute im Fläming Äpfel gepflückt. Und so was Ähnliches wie Pflaumen. Und Birnen. Ganz viele Hornissen beobachtet. Sie sind so fleißig. Beim Essen und beim Fliegen. Und sie belästigen einen nicht. Man darf ihnen natürlich nicht den Apfel wegnehmen, an welchem sie gerade knabbern, dann werden sie garstig. Aber wer würde da nicht garstig werden? Ich mag Hornissen. Der Virologe Christian Drosten, der demnächst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird: „Die Pandemie wird jetzt erst richtig los gehen. Auch bei uns.“ Och nee. Ich will das aber nicht! EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides fordert die Mitgliedsstaaten zum Gegensteuern auf: „Das ist womöglich unsere letzte Chance, eine Wiederholung des Geschehens im Frühjahr zu vermeiden.“ In Hamm/Westfalen müssen seit gestern wieder Masken im Unterricht getragen werden, treffen dürfen sich im öffentlichen Raum nur noch 5 Personen oder Menschen aus zwei Haushalten. In ganz Nordrhein/Westfalen sollen Privatfeiern künftig zwei Wochen vorher beim Ordnungsamt angemeldet werden, ein Verantwortlicher ist zu benennen, eine Gästeliste einzureichen, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann dem WDR. Madrid weitet den Lockdown auf weitere Stadtviertel aus. Pariser Krankenhäuser sagen wieder nicht zwingend notwendige Operationen ab. Das französische Überseedepartement Guadeloupe und die Hafenstadt Marseille müssen sämtliche Bars und Restaurants schließen. In Tschechien müssen alle gastronomischen Einrichtungen ab sofort 22 Uhr schließen. In den österreichischen Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Salzburg gilt von morgen an eine Sperrstunde ab 22 Uhr. Der Wiener Opernball am 11.02. 2021 ist abgesagt worden. Untersagt wurden von der österreichischen Regierung alle Apres-Ski-Partys der kommenden Wintersaison. Reicht das? Reinickendorfs Amtsarzt Patrick Larscheid ist anderer Meinung. In der B.Z. hat er ein Party-Verbot für ganz Berlin gefordert: „Wir brauchen keine Aufklärungskampagnen“ sagte er dort „Man müsse jetzt radikal sein“ und weiter „Die Leute wissen, sie können machen, was sie wollen, es wird nichts passieren.“ Ruhig durchatmen, würde ich vorschlagen. So lange man es noch kann, zumindest. Rekorde an Neuinfektionen melden Litauen, 138 Fälle am Tag, Polen, 1.136 Fälle am Tag und Israel (bereits Dienstag), 6.995 Fälle am Tag. Über 700 Covid-19-Tote in Ungarn, über 800 in Bosnien/Herzegowina und in Weißrussland, über 10.000 in Indonesien, über 25.000 im Iran. In Mexiko ist nach Angaben des Privatkrankenhauses ‚Christus Muguerza‘ eine komplette Lungentransplantation bei einem Corona-Patienten gelungen. „Ohne die Transplantation war die Lebenserwartung des Patienten null“ wird Chirurg Manuel Wong Jaen zitiert. Am 31. August bereits fand der Eingriff statt. Es heißt, der Mann befinde sich auf dem Wege der Besserung und werde praktisch eine normale Lebensqualität haben. Applaus! Und nun bitte muss das auch für Menschen möglich sein, die sich kein teures Privatkrankenhaus leisten können.

Tipp für heute: Apfelkuchen backen.

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Corona-Tagebuch 185

23. September 2020

Nun ist es mir selbst passiert. Ich habe mich aufgeregt ohne die Fakten wirklich zu kennen und meine Fehleinschätzung auch noch öffentlich gemacht. Schande über mich! Muss gestern nicht richtig zugehört haben, auf jeden Fall handelte es sich bei dem Elternteil eines/einer Schülers/Schülerin aus der Klasse meiner Tochter nicht um einen Verdachtsfall, sondern um jemand positiv Getesteten. Verständlich also, dass die Klasse erstmal zuhause bleiben muss, bis das Testergebnis des Schülers/der Schülerin feststeht. Ich bitte um Entschuldigung. Auch der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis hat sich entschuldigt. Seine Regierung habe falsch gehandelt, als sie die Corona-Maßnahmen vor den Sommerferien lockerte. So viel Einsicht und Selbstreflektion kann man von jemand anderem natürlich nicht erwarten. Ja, ich habe seit Längerem bereits gespannt darauf gewartet, was Donald Trump wohl äußert, sollten die Covid-19-Todeszahlen in den USA wirklich über 200.000 steigen. Noch Ende März verkündete er ja, dass sie alle gemeinsam einen guten Job gemacht hätten, wenn die Todeszahlen in den USA nicht über 100.000 steigen, oder nur knapp darüber. Und, sicher war ich mir nicht, wie der Herr „knapp darüber“ definiert, aber 200.000 sind wohl eher nicht mehr knapp über 100.000. Trotzdem natürlich zeigt ein Donald Trump keine Reue, sondern ignoriert sämtliche Fakten und geht zur Attacke über: Ohne das Krisenmanagement seiner Regierung hätten die USA „zwei Millionen, zweieinhalb Millionen und drei Millionen“ Tote zu beklagen. „Wir haben Millionen Leben gerettet.“ „Die Chinesen hätten es (das Coronavirus d.A.) an ihrer Grenze stoppen müssen, sie hätten niemals zulassen dürfen, dass es sich über die ganze Welt ausbreitet.“ „Es ist das China-Virus, nicht das Coronavirus. Corona klingt nach einem Ort in Italien, einem schönen Ort. Es ist Corona. Nein, es ist das China-Virus, sie wollen es nicht sagen, wisst Ihr, die radikalen Linken, sie wollen es nicht sagen.“ Solche Äußerungen erwartet man normalerweise von jemandem, der gerade in Zwangsjacke zu einem Krankenwagen abgeführt wird, dieser Mann jedoch ist weiterhin im Amt, Präsident eines großen Landes. Rekorde an Neuinfektionen melden der Iran, 3.712 Fälle am Tag und Israel, 6.861 Fälle am Tag. Über 100 Covid-19-Tote in Surinam, über 300 im Libanon, über 700 in Paraguay, über 5.000 in Bangladesch und auf den Philippinen, über 90.000 in Indien, über 200.000, wie bereits erwähnt, in den USA. ‚Frankreichs Gesundheitsminister will Unabhängigkeit von China‘, lautete gestern eine Schlagzeile bei tagesschau.de und ich dachte: ‚Oh nein, noch jemand verrückt geworden.‘ Oder wurde Frankreich Tatsache von China besetzt und ich habe es nur nicht mitbekommen? Doch wie das ab und zu mit Schlagzeilen so ist, liest man den Text darunter, entpuppen sie sich als maßlos übertrieben. Es geht darum, dass China 90% der medizinischen Schutzausrüstung und der Medikamente, die Europa benötigt, produziert: „Diesen Wahnsinn müsse man beenden“. Na ja, möglicherweise sehen das andere Länder bei anderen Gütern, die hauptsächlich in Frankreich oder in Deutschland produziert werden, ähnlich? Ich weiß es doch nicht.

Tipp für heute: Noch einmal den, von den Temperaturen her gesehen, letzten (?) Sommertag des Jahres genießen.

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Corona-Tagebuch 184

22. September 2020

Die Tochter ist aus der Schule nach Hause geschickt worden. Jemand in der Klasse habe einen Corona-Verdachtsfall bei den Eltern. Ich frage mich, wie ein halbwegs reibungsloser Unterricht so funktionieren soll. Bund und Länder wollen erneute flächendeckende Schulschließungen verhindern, las ich erst heute wieder, nur, wenn die ganze Klasse zuhause bleiben muss, weil ein/e Klassenkamerad/in Erkältungssymptome hat, oder ein Elternteil, oder ein Geschwisterkind, bedeutet das nicht in der bald beginnenden Erkältungszeit, dass man quasi immer zuhause bleiben muss, soll, darf? Bis ein negatives Testergebnis vorliegt, dauert ja seine Zeit und dann hat doch garantiert der oder die Nächste Erkältungssymptome. Clevere Kinder, die nicht gar zu gern früh aufstehen um zur Schule zu gehen, könnten ab und an mal über ausgedachte Kopfschmerzen klagen, fällt mir ein. Will nicht prahlen (tu es trotzdem, ätsch!), aber zu diesen Kindern hätte ich durchaus dazu gehören können, damals. Und müssten nicht eigentlich die Eltern der aus der Schule nach Hause geschickten Kinder ebenfalls zuhause bleiben, um nicht ihrerseits Kolleginnen und Kollegen anzustecken? Egal. Zumindest ist das Elefantensterben in Botswana aufgeklärt worden, an welchem zwischen April und Juni 330 der sympathischen Dickhäuter verendeten. Laut Behörden sind Cyano-Bakterien verantwortlich, die im Volksmund Blaualgen heißen. Nach lautstarkem Protest auf den billigeren, oberen Rängen musste im Madrider Opernhaus ‚Teatro Real‘ die Aufführung von Verdis ‚Un ballo in maschera‘ (‚Ein Maskenball‘) abgebrochen werden. Mit Buh-Rufen, lautem Klatschen und Füßetrampeln hatte das dort sitzende Publikum gegen zu geringe Sicherheitsabstände protestiert. „Der Pöbel schon wieder“ werden sich die im Parkett Sitzenden gedacht haben. Ab Dienstagnachmittag stehen große Teile von Wales erneut im Lockdown. In ganz Großbritannien müssen Pubs und Restaurants wieder 22 Uhr schließen, außerdem darf nur noch an Tischen bedient werden. München verkündet eine Maskenpflicht für den Marienplatz und den Viktualienmarkt. Selbst Gelsenkirchen verschärft seine Maßnahmen, wegen gestiegener Corona-Fallzahlen wird dort ein großer Flohmarkt abgesagt. „Freiheit!“ Deutlich zu sinken scheint die Corona-Sterblichkeitsrate in den USA, für die gestrigen 24 h wurden (nur noch!) 270 Covid-19-Tote registriert. Über 100 Covid-19-Tote (insgesamt!) meldet Myanmar (das ehemalige Burma oder auch Birma), über 700 Nord-Mazedonien. Unser baldiger Kanzler (wenn alles gut geht) Friedrich Merz, CDU (oder AfD?), sticht so richtig schön seinen Finger in die Wunde, wenn er anmerkt: „Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können.“ Er habe kürzlich in einem Hotel übernachtet, in dem „fast überhaupt kein Personal vorhanden war.“ Armer Friedrich!

Tipp für heute: Schuhe putzen geht auch so: Einfach drauf spucken und mit Zellstofftaschentuch drüber rubbeln. Nichts zu danken.

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Corona-Tagebuch 183

21. September 2020

Die Sonne scheint nun bereits seit anderthalb Wochen ununterbrochen, wenn man mal von den Nächten absieht. Ich habe schlechte Laune. Kann mich nur mühsam zum Aufstehen überreden. Staub gesaugt habe ich seit Monaten nicht mehr. Überall spinnen sich Spinnen ihre Heime, ich lasse sie gewähren. Bin stolz, dass ich das mit dem Abwasch hin bekomme. Müsste mich mal prügeln vielleicht, aber mit wem? Sex? Was ist das? Gestern Freude daran gehabt, meiner Tochter aus ‚Fan Man‘ vorzulesen. Horse Badorties. So wie in seinem Apartment, wird es bei mir auch bald aussehen. Wenn ich seinen Enthusiasmus entwickle, nicht so schlimm. Zuvor ‚Gott wohnt im Wedding‘ von Regina Scheer zu Ende gelesen. Sie hat sich wahnsinnig Mühe gegeben, bei ihrer Recherche. Sehr viele interessante Informationen, nicht nur über den Wedding, auch über die Umgebung, wo ich wohne. Doch die Figuren bleiben blutleer, wirken konstruiert. Gute Absicht, schlechter Roman. Die deutschen Krankenhäuser reduzieren ihre Quote für Corona-Betten auf Intensivstationen. 10% werden jetzt noch für Covid-19-Patienten reserviert, statt zuvor 35%. In den eher ärmeren Stadtteilen Madrids ist ein vorerst zweiwöchiger Lockdown heute in Kraft getreten. Er betrifft 850.000 Menschen. Sie dürfen ihre Bezirke nur für den Weg zur Arbeit, zum Arzt und um die Kinder zur Schule zu bringen verlassen. Parks wurden geschlossen, Geschäfte, Bars und Restaurants bleiben zwar geöffnet, müssen jedoch die Kundenmenge halbieren. Bei Protesten dagegen wurden Plakate hoch gehalten, auf denen stand: „Nein zu einer Ausgangssperre nach sozialen Klassen“ oder „Sie zerstören unsere Viertel und jetzt sperren sie uns ein“. Friedrichshain/Kreuzberg überschreitet die kritische Zahl 50 pro hunderttausend Einwohner bei den Neuinfektionen. Ungarn meldet einen Rekord an Neuinfektionen, 1.070 Fälle pro Tag. In der kanadischen Provinz Quebec dürfen sich seit heute nur noch 50 statt 250 Menschen in Innenräumen treffen, Kinos und Theater sind davon ausgenommen. Der tschechische Gesundheitsminister Adam Vojtech ist zurück getreten. Sein Nachfolger, der Epidemiologe Roman Prymula sprach sich erst letztens für die Verhängung des Corona-Notstands aus. Über 500 Covid-19-Tote verzeichnet das Land mittlerweile. Sinkende Zahlen an Neuansteckungen meldet hingegen Australien, gestern waren es 16. Nach 6 Monaten Corona-Pause öffnet das Taj Mahal in Indien seine Pforten. Das „Monument der Liebe“ dürfen maximal 5.000 Besucher am Tag besichtigen. Gruppenfotos sind verboten, niemand darf das Bauwerk berühren. Wer es doch tut, wird erschossen. Nein, hab ich mir bloß ausgedacht.

Tipp für heute: Wird schon wieder besser, vielleicht.

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Corona-Tagebuch 182

20. September 2020

Welch schlimme Folgeschäden die Corona-Pandemie verursacht, konnte man gestern wieder beobachten. ’20 Jahre Kantinenlesen‘ wurde gefeiert und der Re-Start dieses normalerweise wöchentlich stattfindenden Gipfeltreffens der Berliner Lesebühnen, in der Alten Kantine, in der Kulturbrauerei. Auf der Bühne alles prima, Publikum wirkte auch zufrieden, am Tresen aber gab es plötzlich nur noch Berliner Pilsner, in kleinen, grünen Flaschen. Kein Fassbier mehr, kein Radeberger (obwohl das auch nur noch Drecksplörre ist). Man verkaufe lediglich die Reste, wurde mir gesagt. Es könnten ja ansonsten keine Veranstaltungen mehr stattfinden und man rechne auch nicht damit, dass sich dies in näherer Zukunft ändere. Komisch. Mein Optimismus scheint nicht ansteckend zu sein. Es scheint auch kaum jemand, bis auf Markus Söder, zu bemerken, dass die Weihnachtszeit angebrochen ist. Gibt wieder Spekulatius in der Kaufhalle, hurra! Die erste Packung vertilgte ich letzte Nacht. „Hat Markus Söder etwa auch eine Packung Spekulatius verdrückt?“ werden sich jetzt viele sicher fragen. Entzieht sich meiner Kenntnis. Auf tagesschau.de allerdings las ich heute die Schlagzeile: „Söder für Öffnung der Weihnachtsmärkte“. Der Typ will Tatsache Kanzler werden. Ich hab vor Jahren ja bereits populistisch vorgeschlagen, Weihnachtsmärkte sollten das ganze Jahr über öffnen und Adventskalender mit 365 Türchen ausgestattet sein. Jeder Tag müsste Weihnachten sein und die Waffen in dieser Zeit schweigen. Hallelujah! Russland erlaubt die ambulante Behandlung mit dem Antivirus-Medikament Coronavir auf Rezept. Es ist für Patienten mit leichten bis moderat verlaufenden Infektionen vorgesehen und könnte nächste Woche in die Apotheken ausgeliefert werden. Nach Angaben der Kommunalbehörde der mexikanischen Hauptstadt, seien in der Zeit zwischen April und September allein in Mexiko-Stadt über 20.000 Menschen mehr am Coronavirus gestorben als bisher bekannt. Rekorde an Neuinfektionen melden die Slowakei, 290 Fälle am Tag, Dänemark, 589 Fälle am Tag und Frankreich, 13.498 Fälle am Tag. Über 400 Covid-19-Tote in Nepal, über 700 in Costa Rica. Schnell loswerden möchte ich noch einen kleinen Weckruf. Hallo Statistikfreaks bei der Johns-Hopkins-Universität! Der für die Covid-19-Opferzahlen des Kosovos zuständige Kollege (die Kollegin?) scheint eingenickt zu sein, seit mindestens zwei Wochen friedlich zu schlafen, Schlimmeres will ich lieber nicht hoffen. Hatte mich anfangs ja gefreut, dass in der winzigen Balkan-Republik niemand mehr an Corona zu sterben scheint. Nach über 14 Tagen allerdings, in denen bei euch auf der Seite für den Kosovo unverändert 488 Covid-19-Tote steht, wurde ich skeptisch und schaute mal bei der Wikipedia-Konkurrenz vorbei. Die zählen mittlerweile 611 Covid-19-Tote für das Land. Mal ganz sanft an den Schultern rütteln, vielleicht?

Heute: Berlin, Schankwirtschaft Baiz, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Susanne Riedel, Spider, Heiko Werning, Falko Hennig, Jürgen Witte (zugeschaltet aus Steglitz mit seiner legendären Anneliese-Hülschrath-Gedächtniskolumne), Gott und mich, sowie den extrem wachen Superstargästen Mandana (die heute übrigens Geburtstag hat!) und Jana Berwig & Masataka Koduka (Japanisch-Oberlausitzer-Hit-Ensemble) Anmeldung: reservierung-reformbuehne@web.de

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